Krippen / Tagespflege

Frühe Förderung

Mehr Zeit für das einzelne Kind

Qualität in baden-württembergischen Kitas besonders hoch

Baden-Württemberg hat sich zum Vorreiter bei der Qualität in den Kindertageseinrichtungen entwickelt. Mit einem Personalschlüssel von 1 zu 2,9 in Gruppen mit Kindern von unter drei Jahren hat Baden-Württemberg bundesweit das mit Abstand beste Betreuungsverhältnis. Zudem gehört Baden-Württemberg mit einer durchschnittlichen Anzahl von neun Kindern zu den Ländern mit den kleinsten Gruppengrößen in dieser Altersgruppe.

Diese Angaben finden sich in einer Bilanz zum Stand des Ausbaus der Kindertagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren, welche die Bundesregierung im März 2015 veröffentlicht hat. Der Bericht zum Kinderförderungsgesetz bewertet erstmalig die Betreuungssituation nach Inkrafttreten des Rechtsanspruchs am 1. August 2013. Zur gelingenden Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Förderung in einer Kindertageseinrichtung oder in der Kindertagespflege tragen der Bund mit den Investitionsprogrammen, die Länder und die Kommunen bei.

Überblick auf den Stand der Kindertagesbetreuung in BW

Ausbaustand – viel erreicht und noch viel vor

Zwischen 2008 und 2014 holte Baden-Württemberg enorm auf und konnte die Betreuungsquote mehr als verdoppeln: Im Jahr 2008 wurden 13,6 Prozent der Kinder unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen oder Kindertagespflege betreut, im Jahr 2014 waren es 27,8 Prozent. Den entscheidenden Schub leistete der Pakt für Familien, den die Landesregierung Ende 2011 mit den Kommunalen Landesverbänden geschlossen hatte. Für die Jahre 2012 und 2013 vereinbarten beide Seiten ein dynamisches Modell der Finanzierung. Die Zuweisungen des Landes an die Kommunen sind demnach im Jahr 2012 von 129 Millionen Euro um 315 Millionen Euro auf 444 Millionen Euro und im Jahr 2013 von 152 Millionen Euro um 325 Millionen Euro auf 477 Millionen Euro erhöht worden. Ab 2014 haben Land und Kommunen eine Abrechnung nach tatsächlich betreuten Kindern basierend auf den Vorjahreszahlen vereinbart. Das Land trägt nun unter Einbeziehung der Bundesmittel 68 Prozent der Betriebsausgaben pro Kind – ein Alleinstellungsmerkmal im Bundesländervergleich.

Betreuungsbedarf – auf die Nachfrage vor Ort kommt es an

Die Betreuungsquoten geben keine Auskunft darüber, ob das vorhandene Angebot für unter Dreijährige auch dem Bedarf der Eltern entspricht. Um hierzu eine Aussage treffen zu können, hat das Deutsche Jugendinstitut (DJI) in allen Bundeländern stichprobenartig Eltern befragt. In Baden-Württemberg äußerten demnach im vergangenen Jahr 39,2 Prozent der Eltern einen Betreuungsbedarf. Ausgehend von der Betreuungsquote von 27,8 Prozent ergibt sich damit eine Differenz von 11,4 Prozentpunkten. Die Zahlen zeigen, dass es nach wie vor Bedarf nach verlässlicher und guter Betreuung gibt. Um den weiteren Ausbau von Kita-Plätzen zu fördern, hat die Landesregierung deshalb 2015 ein einmaliges Landesinvestitionsprogramm in Höhe von 50 Millionen Euro aufgelegt.

Die Elternbefragung zeigt außerdem, dass sich der Betreuungsbedarf regional deutlich unterscheidet. Beim Ausbau der Betreuungsplätze geht es nicht um die Erfüllung einer bestimmten Quote, sondern um die tatsächliche Nachfrage vor Ort. Diese liegt in Baden-Württemberg in den großen Städten bei 40 bis 60 Prozent und darüber, in anderen Regionen auch deutlich darunter.

Ausbauhürden – und zukunftsweisende Strategien zur Fachkräftegewinnung

In einer jährlichen Befragung werden die Jugendämter nicht nur nach den Strategien für den Ausbau befragt, sondern auch nach den Hürden, die sie beim Betreuungsausbau erleben. Eine Hürde, die laut Bericht über die Jahre an Bedeutung gewonnen hat, ist die Schwierigkeit, zusätzliche Fachkräfte zu gewinnen. Baden-Württemberg hat darauf unter anderem mit der praxisintegrierten Erzieherausbildung (PIA) reagiert. Das bundesweit einzigartige Modell wurde erstmals im Schuljahr 2012/2013 angeboten. Bei diesem Ausbildungsmodell erhalten die angehenden Fachkräfte - anders als in der konventionellen vollschulischen Ausbildung - eine Vergütung. Ein Ziel der praxisintegrierten Erzieherausbildung ist, theoretische und praktische Ausbildungsinhalte stärker miteinander zu verzahnen und die Verantwortung der Kindertageseinrichtungen für eine gute Ausbildung der Schülerinnen und Schüler in der Praxis zu stärken. Mit PIA ist es der Landesregierung gelungen, das Berufsbild attraktiver zu machen und neue Zielgruppen als Fachkräfte für den Erzieherberuf zu anzusprechen. Das Modell wird nicht nur von den Schülerinnen und Schülern stark nachgefragt, auch die Träger melden zurück, dass ihnen dieses Modell große Chancen, insbesondere für eine nachhaltige Personalplanung bietet.

Qualität – Jeder Platz muss ein guter Platz sein

Der Ausbau des Betreuungsangebotes für unter Dreijährige ging nicht zu Lasten des Personalschlüssels oder der Gruppengröße in Kindertageseinrichtungen. Baden-Württemberg kann bei beiden Punkten sogar große Erfolge verbuchen. Mit einem Personalschlüssel von 1 zu 2,9 ist in Kita-Gruppen mit Kindern von unter drei Jahren im Schnitt eine Fachkraft für 2,9 Kinder verantwortlich, ein Spitzenwert im Ländervergleich. Das Land legt großen Wert auf die Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte und unterstützt die Träger bei der Fort- und Weiterbildung jährlich mit rund zehn Millionen Euro. Der Qualität verpflichtet sah sich auch ein Runder Tisch Kindertagespflege des Kultusministeriums, der vor einem Jahr gemeinsame Empfehlungen zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung in der Kindertagespflege verabschiedet habe. Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, das durch die Festlegung eines Schlüssels bei der fachlichen Begleitung der Tagespflegepersonen (1:90 bis 1:130) Standards gesetzt und dadurch bei der Qualität bundesweit einen Spitzenplatz eingenommen hat.

Mehr Zeit für Sprachförderung

Zum Kindergartenjahr 2014/2015 hat das Kultusministerium das Konzept der Sprachförderung in allen Tageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf (kurz: SPATZ) verbessert und mit mehr Mitteln ausgestattet. Die deutlich kleineren Gruppen erhöhen die Qualität der Sprachbildung und Sprachförderung und geben mehr Zeit für das einzelne Kind. In Kitas mit einem Migrantenanteil von mindestens 80 Prozent ist die Gruppengröße von bislang zehn auf jetzt fünf Kinder je Gruppe halbiert worden. Dadurch erhöhen sich die Zahlen der Kommunikationssituationen und der Sprechgelegenheiten für jedes einzelne Kind.

 


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