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Ausgehend von der Grundannahme, dass Lehrerbildung neben anderen Aspekten maßgeblich Persönlichkeitsbildung und -entwicklung in einem für den Unterricht von Schülerinnen und Schülern konstruktiven Sinne zu sein hat, wird versucht, die Themenfelder der Pädagogik, Psychologie und Didaktik zu erweitern und auf Handlungs- und Erfahrungsfelder auszudehnen, die Wahrnehmung und Denken (Kognition), Empfindung und Gefühle (Emotion) sowie Wille und Handeln (Volition/Aktion) durchgehend berücksichtigen. Aus-gangspunkte sind dabei die Biografie und die je eigenen Lernerfahrungen der angehenden Lehrerinnen und Lehrer, die eine Vielzahl von (Selbst-)Reflexionsmöglichkeiten erfahren, die wiederum die Entwicklung von Selbstkompetenz unterstützen und die Selbstverantwortlichkeit in den Vordergrund rückt. Ein dahinter stehendes Motto lautet: „Mit sich und  anderen gut umgehen.“ Die „anderen“ sind vorzugsweise natürlich die Schülerinnen und Schüler, denen man als ausgeglichene Persönlichkeit wertschätzend und unterstützend begegnen soll. Kernpunkt ist selbstverständlich das Unterrichten-Lernen. Die Ausprägung sozialer Kompetenzen spielt jedoch im Rahmen einer ganzheitlichen Lehrerbildung neben einem intellektuellen Vermögen (fachbezogenes Wissen, pädagogisches und didaktischen Wissen) eine maßgebliche Rolle. Mit einer hohen fachwissenschaftlichen Kompetenz gehört zwingend eine grundständige menschliche und kulturelle Kompetenz verbunden, die eine besondere Schulung des Denkens und der Urteilskraft (reflexive Kompetenz) erforderlich macht. Gängige und übliche Themen der Pädagogik und Didaktik leisten hierzu zwar ihre Beiträge, wenn die Grenzen dieser Fächer überschritten werden und Weiteres in den Blick genommen wird, sind die Chancen für eine derartige Lehrerbildung aus unserer Sicht jedoch erheblich größer. Wir laden deshalb zum Querdenken und zu einem Blick über den Tellerrand ein. D.h. im Rahmen unserer Lehrerbildung bieten wir an:
- Kunst (denn Kunst wirkt als Katalysator unbekannter Sichtweisen und sensibilisiert zugleich für innere Bewegungen und offene Prozesse);
- Musik (denn diese bietet Energiemöglichkeiten und kann sowohl antreiben als auch beruhigen und ausgleichen);
- Sport (denn ein Gefühl für das Körperliche ist unabdingbar für ein Menschsein in einem ganzheitlichen Sinne);
- Theater (denn dieses berührt die sinnlich-ästhetische Dimension von Sprache, Körpersprache und Rollenverkörperung).
Darüber hinaus erfordert die Umsetzung einer ganzheitlichen Lehrerbildung die Berücksichtigung der neueren Erkenntnisse der Gehirnforschung (Stichwort „Neurodidaktik“), eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit philosophischen und ethischen Grund- und Zeitfragen, die Bildung von Lern- und Entwicklungspartnerschaften, Geselligkeit und Feste/Feiern, Stressmanagement und eine Vielzahl von Absprachen und Kooperationen (insbesondere auch mit den Ausbildungsschulen) sowie manch weiteres, unorthodoxes und auf den ersten Blick möglicherweise irritierendes Vorgehen. Zielrichtung ist dabei immer die Vermeidung einer bloßen „Ausbildung“ und ein Vermeiden einer instrumentell-technokratischen Pädagogik, wie sie sich durchzusetzen scheint, wenn man einer Ökonomisierung der Bildung allzu rasch nachgibt und vor allem Methodentraining und Präsentationskompetenzen in den Vordergrund einer angeblichen Lehrerbildung stellen möchte. Letztgenanntes ist in seiner Bedeutung für Unterricht nicht zu unterschätzen, aber keinesfalls das Fundament einer ganzheitlichen Lehrerbildung, die zudem grundsätzliche Lebens- und Sinnfragen aufwerfen muss.

Professor Dr. Harald Görlich

Das Dokument können Sie hier herunterladen.

Ganzheitliche Lehrerbildung – Prozessbeschreibung.

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