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Wirtschaft

Seit 2016 ist Wirtschaft ordentliches Schulfach in der Sek. I und der Sek. II. In der Sek. I stehen von Klasse 8- 10 insgesamt 3 Wochenstunden zur Verfügung. In der Sek. II wird wie bisher das vierstündige Kernfach Wirtschaft angeboten.

Die Ausbildung im Fach Wirtschaft umfasst 51 Stunden. Die Wirtschaftsausbildung ist verpflichtend für Referendare, die nach der GymPO II ihr Examen im Fach Gemeinschaftskunde/Wirtschaft abgelegt haben. Mit der Ausbildung ist die Lehrbefähigung für das Fach Wirtschaft verbunden. Referendare mit dem Examen nach WPO können an der Wirtschaftsausbildung teilnehmen, erhalten eine Teilnahmebescheinigung aber keine offizielle Lehrbefähigung.

Ziele und Schwerpunkte der fachdidaktischen Ausbildung

Ökonomisches Denken beinhaltet im Kern das Denken in den Strukturen der ökonomischen Verhaltenstheorie, das Denken in Wirkungszusammenhängen sowie das Denken in ordnungspolitischen Zusammenhängen. Ziel ökonomischer Bildung ist der mündige Wirtschaftsbürger in der Demokratie, der verantwortliche wirtschaftliche Entscheidungen treffen kann. Insbesondere soll ökonomische Bildung einen wichtigen Beitrag zur Berufs- und Studienorientierung leisten.

Mit welchen grundlegenden Kompetenzen sollen Schülerinnen und Schüler ausgestattet werden?


Schema Wirtschaft Kompetenzen

Folgende fachwissenschaftliche Kategorien ökonomischer Bildung sind leitend für wirtschaftsdidaktische Lehr-Lern-Sequenzen und Fragestellungen

  • Wirtschaftliches Handeln ist bedürfnisgetrieben und vollzieht sich unter Restriktionen.
  • Wirtschaftliches Handeln bezieht sich auf knappe Ressourcen (Güter, Zeit, Fähigkeiten, Vermögen, Umwelt etc.).
  • Wirtschaftliches Handeln ist zweck- und zielbestimmt und berücksichtigt damit das Rationalitätsprinzip.
  • Wirtschaftliches Handeln vollzieht sich in Unsicherheit, unvollkommener Voraussicht und unter unvollkommenen Informationen und ist häufig nur beschränkt rational.
  • Wirtschaftliches Handeln orientiert sich an Kosten-Nutzen-Rechnungen und führt zu Opportunitätskosten.
  • Wirtschaftliches Handeln ist risikobehaftet.
  • Wirtschaftliches Handeln schafft Interdependenzen innerhalb des ökonomischen Systems und zwischen dem ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen System.
  • Wirtschaftliches Handeln vollzieht sich arbeitsteilig und bedarf der Koordination und Kooperation (Markt und Staat).
  • Wirtschaftliches Handeln zwischen Wirtschaftssubjekten ist in der Regel mit Wettbewerb verbunden. Wettbewerb führt einerseits zu dynamischer Effizienz und dadurch zu Wohlstandsgewinnen, ist aber auch mit sozialer Ungleichheit verbunden. Wirtschaftliches Handeln führt nicht generell zu einer Harmonie zwischen Eigennutz und Gemeinwohl.
  • Wirtschaftliches Handeln kann deshalb Eingriffe des Staates in den Wirtschaftsablauf und dieWirtschaftsordnung erfordern, die Gegenstand politischer Auseinandersetzungen sind. Allerdings können Eingriffe des Staates in den wirtschaftlichen Prozess auch zu wirtschaftlichen Fehlentwicklungen führen.
  • Wirtschaftliches Handeln vollzieht sich in und zwischen Institutionen, zwischen konfligierenden Interessen, innerhalb von Regeln (rechtliche, gewohnheitsmäßige) in einem gegebenen und veränderbaren Ordnungsrahmen, der demokratischer Legitimation bedarf.
  • Wirtschaftliches Handeln berührt gesellschaftliche Grundwerte wie Freiheit, soziale Gerechtigkeit und soziale Sicherheit und damit ethische Fragen.

Didaktisch/methodische Prinzipien ökonomischer Bildung

Schülerorientierung: Ökonomische Bildung knüpft an der Lebenswelt und den Erfahrungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler an.

Wissenschaftsorientierung: Neben der Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre ist die Politikwissenschaft wichtige Bezugswissenschaft.

Problemorientierung: Ökonomische Bildung soll von ökonomischen Problemstellungen ausgehen und vorrangig Wissen und Kompetenzen vermitteln, die zur Problembearbeitung erforderlich sind. Problemlösungsfähigkeit hat Vorrang vor Wissensanhäufung.

Exemplarität: Die Auswahl der zu behandelnden Inhalte muss zum einen schüler- und problembezogen sein, zum zweiten exemplarisch für das Thema. Exemplarisches Lernen und Lehren ermöglicht, allgemeine wirtschaftliche Fragestellungen (Strukturen und Gesetzmäßigkeiten) im ausgewählten Problem zu erkennen, und ist damit eng verbunden mit dem Prinzip der Problemorientierung. Exemplarisches Lernen ist insofern Kern eines kompetenzorientierten Unterrichts.

Aktualität und Anschaulichkeit: Ökonomische Bildung soll nach Möglichkeit aktuelle Probleme und Lösungsvorschläge aufgreifen. Die Lehrinhalte sollen anschaulich und einprägsam vermittelt werden. Zusammen mit Auswahlkriterien wie Betroffenheit und Bedeutsamkeit der Thematik kann dadurch eine Steigerung des Interesses bzw. der Motivation an wirtschaftlichen Themen erreicht werden.

Induktives Vorgehen: Ökonomische Bildung geht nach Möglichkeit vom Besonderen - von anschaulichen Einzelfällen - aus, baut darauf auf und arbeitet das Allgemeine heraus. Fallorientierte Lehr-Lern-Sequenzen sind wichtige Elemente der unterrichtlichen Vorgehensweise.

Handlungsorientierung: Ökonomische Bildung soll selbsttätiges Lernen erlauben und fördern (z. B. durch entsprechende Methoden wie Fallorientierung, Planspiele, Projektarbeit).

Praxiskontakte und Berufsorientierung: Ökonomische Kompetenzen sollen auch durch direkte Praxiserfahrungen in privaten und öffentlichen Unternehmen gewonnen werden. Diese dienen besonders der Berufs- und Studienorientierung.

Allgemein orientiert sich das didaktische Vorgehen an den Inhalten des Beutelsbacher Konsens:

Überwältigungsverbot – Indoktrinationsverbot. Überwältigungsverbot: Es ist nicht erlaubt, den Schüler - mit welchen Mitteln auch immer - im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der Gewinnung eines "selbständigen Urteils" zu hindern.

Ausgewogenheit bzw. Kontroversität. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.

Schülerorientierung. Der Schüler muss in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Situation im Sinne seiner eigenen Interessen zu beeinflussen. Beutelsbacher Konsens,in: Schiele/Schneider (Hrsg.), Das Konsensproblem in der Politischen Bildung. Stuttgart 1977, 178-180.


Inhaltliche Schwerpunkte der Ausbildung
  • Didaktische Implikationen der Bildungspläne 2004 und 2016
  • Wirtschaftsdidaktische Ansätze und Theorien
  • Analyse,- Methoden,- Urteils, und Handlungskompetenzen im Wirtschaftsunterricht
  • Ökonomische Verhaltenstheorie und das Marktmodell
  • Arbeitsmärkte, internationale Finanzmärkte, globale Gütermärkte
  • Grundlagen der BWL, das Unternehmen
  • Wirtschaftspolitische Tagungen
  • Berufs-und Studienorientierung
  • Betriebserkundung
  • Volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Planspiele


Literatur (Auswahl)

Ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen. Bildungsstandards. Standards für die Lehrerbildung, Thomas Retzmann, Günther Seeber u. a., Essen, Lahr, Kiel 2010, https://bankenverband.de/publikationen/oekonomische-bildung-allgemeinbildenden-schulen/

Ökonomische Bildung, Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), in: Aus Politik und Zeitgeschichte,12/2011.

Perspektiven der Ökonomischen Bildung, Disziplinäre und fächerübergreifende Konzepte, Zielsetzungen und Projekte, Holger Arndt (Hrsg.), 1. Auflage 2017, Reihe Didaktik der ökonomischen Bildung.

Bildungsstandards der ökonomischen Allgemeinbildung, Kompetenzmodell – Aufgaben – Handlungsempfehlungen, Günther Seeber, Thomas Retzmann, Bernd Remmele, Hans-Carl Jongebloed, 2012, Reihe Ökonomie unterrichten.


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