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Gemeinschaftskunde und Wirtschaft

Gemeinschaftskunde

Die Ausbildung im Fach Gemeinschaftskunde am Seminar umfasst 102 Stunden zuzüglich 51 Stunden im Fach Wirtschaft.

Ziele und Schwerpunkte der fachdidaktischen Ausbildung  

Die besondere Stellung des Faches Gemeinschaftskunde wird durch die Verankerung des Faches in der baden-württembergischen Landesverfassung deutlich. „Demokratie lernen“ ist damit wesentliches Element allgemeiner Schulbildung. Dies ist angesichts eines schwinden-den Interesses Jugendlicher an Politik und gesellschaftlich-politischen Fragestellungen in den letzten Jahrzehnten von besonderer Bedeutung für ein demokratisches Gemeinwesen. Die Notwendigkeit einer an Grundwerten orientierten politischen Erziehung in einer pluralisti-schen Gesellschaft stellt insofern mehr denn je hohe Anforderungen an die Politikdidaktik.

Der Bildungsbeitrag des Faches Gemeinschaftskunde ist die Vermittlung eines vertieften politischen Grundwissens, das Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt, sich in der Ge-sellschaft und ihren Subsystemen Politik, Recht und Wirtschaft angemessen zu orientieren, politische und wirtschaftliche Sachverhalte und Probleme kompetent zu beurteilen, begrün-det Standpunkte zu beziehen und sich auf einer demokratischen Grundlage in öffentlichen Angelegenheiten zu engagieren.

Die Ziele des Unterricht lassen sich auf drei Kompetenzebenen beschreiben :

  1. Politische Urteilsfähigkeit (Beurteilungskompetenz)
    Politische Ereignisse, Probleme und Kontroversen sowie Fragen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung unter Sachaspekten und Wertaspekten analysieren und reflektiert beurteilen können.
  2. Politische Handlungsfähigkeit (Handlungskompetenz)
    Meinungen, Überzeugungen und Interessen formulieren, vor anderen angemessen vertreten, Aushandlungsprozesse führen und Kompromisse schließen können.
  3. Methodische Fähigkeiten (Analysekompetenz)
    Selbstständig zur aktuellen Politik bzw. zu wirtschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen Stellung beziehen können, fachliche Themen mit unterschiedlichen fachspezifischen Methoden erschließen und das eigene politische Weiterlernen organisieren können.

Ziel der Ausbildung im Vorbereitungsdienst

Vermittlung von Kompetenzen, um Erkenntnisse der Politikwissenschaft und ihrer Bezugs-wissenschaften Soziologie, Wirtschaft, Recht und Geschichte unter fachdidaktischen Frage-stellungen zu erschließen, zu reflektieren und sach- und schülergerecht für den Unterricht zu gestalten. In der Ausbildung sollen der Professionalisierung bei Planung und Durchführung kompetenzorientierter Lehr-Lernarrangements und der Reflexion der eigenen Unterrichtser-fahrungen breiten Raum eingeräumt werden.

Allgemeine didaktische Prinzipien
Lernprozesse sollen zur Entwicklung von vernetztem Denken und Problemlösungskompeten-zen führen. Die aktive und selbstständige Auseinandersetzung mit den Lerngegenständen soll einen nachhaltigen fachlichen und methodischen Kompetenzaufbau ermöglichen. Der Lernende soll ausgehend von seinem individuellen Erfahrungs- und Lernstand eigene Lern-wege entwickeln können.


Didaktische/methodische Prinzipien politischer Bildung:

  • Schülerorientierung: Politische Bildung knüpft an der Lebenswelt und den Erfahrungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler an.
  • Wissenschaftsorientierung: Neben der Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft sind die zentralen Bezugswissenschaften Soziologie und Recht.
  • Problemorientierung: Politische Bildung soll von Problemstellungen ausgehen und vorrangig Wissen und Kompetenzen vermitteln, die zur Problembearbeitung erforderlich sind. Problemlösungsfähigkeit hat Vorrang vor Wissensanhäufung.
  • Exemplarität: Politische Bildung kann Themen nie erschöpfend behandeln und muss sich auf eine thematische Auswahl beschränken. Exemplarisches Lernen bildet eine vertretbare Strategie der Inhalts- und Komplexitätsreduktion. Die Auswahl der zu behandelnden Inhalte muss zum einen schüler- und problembezogen sein, zum zweiten exemplarisch für das Thema. Exemplarisches Lernen und Lehren ermöglicht, allgemeine politische Fragestellungen (Strukturen und Gesetzmäßigkeiten) im ausgewählten Problem zu erkennen, und ist damit eng verbunden mit dem Prinzip der Problemorientierung. Exemplarisches Lernen ist insofern Kern eines kompetenzorientierten Unterrichts.
  • Aktualität und Anschaulichkeit: Politische Bildung soll nach Möglichkeit aktuelle Probleme und Lösungsvorschläge aufgreifen. Die Lehrinhalte sollen anschaulich und einprägsam vermittelt werden. Zusammen mit Auswahlkriterien wie Betroffenheit und Bedeutsamkeit der Thematik kann dadurch eine Steigerung des Interesses bzw. der Motivation an politischen Themen erreicht werden.
  • Handlungsorientierung: Politische Bildung soll zum einen selbsttätiges Lernen erlauben und fördern (z. B. durch entsprechende Methoden wie Projektarbeit). Zweitens geht es aber auch um das Einüben eines individuellen Handlungsrepertoires für die politische Auseinandersetzung und Meinungsbildung, z. B. durch Einüben von Schlüsselqualifikationen wie Debattieren oder Präsentieren.

Grundlage für das didaktische Vorgehen sind die Inhalte des Beutelsbacher Konsens:

  • Überwältigungsverbot – Indoktrinationsverbot
    Überwältigungsverbot: Es ist nicht erlaubt, den Schüler - mit welchen Mitteln auch immer - im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der Gewin-nung eines "selbständigen Urteils" zu hindern.
  • Kontroversität
    Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.
  • Schülerorientierung
    Der Schüler muss in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Situation im Sinne seiner eigenen Interessen zu beeinflussen.
    (Beutelsbacher Konsens. In: Schiele/Schneider Hrsg.: Das Konsensproblem in der Politischen Bildung. Stuttgart 1977, 178-180.)


Literaturhinweise (Auswahl)

Kritische politische Bildung, Standpunkte und Perspektiven, Michael Görtler, Mathias Lotz, Marc Partetzke, Sara Poma Poma, Marie Winckler (Hrsg.) 1. Auflage 2017

Was ist gute politische Bildung? Leitfaden für den sozialwissenschaftlichen Unterricht, Wolfgang Sander, Sibylle Reinhardt, Andreas Petrik, Dirk Lange, Peter Henkenborg, Reinhold Hedtke, Tilman Grammes, Anja Besand, 2. Auflage 2017

Kompetenzorientierung in der politischen Bildung überdenken – weiterdenken, Rico Behrens (Hrsg.), unter Mitarbeit von:Rico Behrens, Iwelina Fröhlich, Brigitte Fuhrmann, Uwe Gerhard, Dörte Gröger, Dennis Hauk, Felix Kollender, Tonio Oeftering, Marc Partetzke, Eva-Maria Schauenberg, Anika Wagner, Peggy Wolf, 2014

Positionen der politischen Bildung 2, Interviews zur Politikdidaktik, Kerstin Pohl (Hrsg.),
unter Mitarbeit von: Günter C. Behrmann, Anja Besand, Karl-Heinz Breier, Andreas Brunold,
Carl Deichmann, Joachim Detjen, Andreas Eis, Tim Engartner, Thomas Goll, Tilman Grammes,
Peter Henkenborg, Gerhard Himmelmann, Ingo Juchler, Hans-Werner Kuhn, Dirk Lange,
Sabine Manzel, Peter Massing, Michael May, Monika Oberle, Bernd Overwien,
Andreas Petrik, Kerstin Pohl, Sibylle Reinhardt, Volker Reinhardt, Dagmar Richter, Wolfgang Sander,
Gerd Steffens, Georg Weißeno, 1. Auflage 2016

Kompaktwissen Politikdidaktik, Kategorien - Konzeptionen – Kompetenzen, Klaus Kremb,
3. überarb. u. aktualisierte Auflage 2016

Handbuch Dimensionen und Ansätze in der politischen Bildung, Carl Deichmann, Christian K. Tischner (Hrsg.),
unter Mitarbeit von: Michele Barricelli, Karl-Heinz Breier,
Andreas Brunold, Carl Deichmann, Andreas Eis, Thomas Goll, Moritz-Peter Haarmann,
Dennis Hauk, Ingo Juchler, Dirk Lange, Peter Massing, Michael May, Christian Meyer,
Marc Partetzke, Andreas Petrik, Armin Scherb, Christian Schmidt, Christian K. Tischner, 2013

Kompetenzen in der politischen Bildung, Ingo Juchler (Hrsg.), unter Mitarbeit von: Beatrice Bürgler,
Valentin Eck, Thomas Goll, Inga Gryl, Moritz-Peter Haarmann, Katrin Hahn-Laudenberg,
Peter Henkenborg, Jan Hodel, Thomas Jekel, Ingo Juchler, Reinhard Krammer, Dirk Lange,
Peter Massing, Jürgen Oelkers, Andreas Petrik, Sibylle Reinhardt, Volker Reinhardt,
Dagmar Richter, Wolfgang Sander, Günther Seeber, Gerd Steffens, Monika Waldis,
Georg Weißeno, Béatrice Ziegler, 2010


Stand 17.02.2017

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