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Gemeinschaftskunde und Wirtschaft

Ziele und Schwerpunkte der fachdidaktischen Ausbildung  

Die besondere Stellung des Faches Gemeinschaftskunde wird durch die Verankerung des Faches in der baden-württembergischen Landesverfassung deutlich. „Demokratie lernen“ ist damit wesentliches Element allgemeiner Schulbildung. Dies ist angesichts eines schwindenden Interesses an Politik Jugendlicher in den letzten Jahrzehnten von besonderer Bedeutung für ein demokratisches Gemeinwesen. Die Notwendigkeit einer an Grundwerten orientierten politischen Erziehung in einer pluralistischen Gesellschaft stellt insofern mehr denn je hohe Anforderungen an die Didaktik des Faches Politik.
Der Bildungsbeitrag des Faches Gemeinschaftskunde ist die Vermittlung eines vertieften politischen Grundwissens, das Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt, sich in der Gesellschaft und ihren Subsystemen Politik und Wirtschaft angemessen zu orientieren, politische und wirtschaftliche Sachverhalte und Probleme kompetent zu beurteilen, begründet Standpunkte zu beziehen und sich auf einer demokratischen Grundlage in öffentlichen Angelegenheiten zu engagieren.

Die Ziele des Unterricht lassen sich auf drei Kompetenzebenen beschreiben (vgl. GPJE):

Politische Urteilsfähigkeit (Beurteilungskompetenz)
Politische Ereignisse, Probleme und Kontroversen sowie Fragen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung unter Sachaspekten und Wertaspekten analysieren und reflektiert beurteilen können.

Politische Handlungsfähigkeit (Handlungskompetenz)
Meinungen, Überzeugungen und Interessen formulieren, vor anderen angemessen vertreten, Aushandlungsprozesse führen und Kompromisse schließen können.

Methodische Fähigkeiten (Analysekompetenz)
Selbstständig zur aktuellen Politik bzw. zu wirtschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen Stellung beziehen können, fachliche Themen mit unterschiedlichen fachspezifischen Methoden erschließen und das eigene politische Weiterlernen organisieren können.

Ziel der Ausbildung im Vorbereitungsdienst ist, Kompetenzen zu vermitteln, um Erkenntnisse der Politikwissenschaft und ihrer Bezugswissenschaften Soziologie, Wirtschaft, Recht und Geschichte unter fachdidaktischen Fragestellungen zu erschließen, zu reflektieren und sach- und schülergerecht für den Unterricht zu gestalten. In der Ausbildung sollen der Professionalisierung bei Planung und Durchführung kompetenzorientierter Lehr-Lernarrangements und der Reflexion der eigenen Unterrichtserfahrungen breiten Raum eingeräumt werden.

Allgemeine didaktische Prinzipien

  • Lernprozesse sollen zur Entwicklung von vernetztem Denken und Problemlösungskompetenzen führen.
  • Die aktive und selbstständige Auseinandersetzung mit den Lerngegenständen soll einen nachhaltigen fachlichen und methodischen Kompetenzaufbau ermöglichen.
  • Der Lernende soll ausgehend von seinem individuellen Erfahrungs- und Lernstand eigene Lernwege entwickeln können.


Didaktische/methodische Prinzipien politischer Bildung:

Schülerorientierung: Politische Bildung knüpft an der Lebenswelt und den Erfahrungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler an.
Wissenschaftsorientierung: Neben der Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft sind die zentralen Bezugswissenschaften Soziologie und Recht.

Problemorientierung: Politische Bildung soll von Problemstellungen ausgehen und vorrangig Wissen und Kompetenzen vermitteln, die zur Problembearbeitung erforderlich sind. Problemlösungsfähigkeit hat Vorrang vor Wissensanhäufung.

Exemplarität: Politische Bildung kann Themen nie erschöpfend behandeln und muss sich auf eine thematische Auswahl beschränken. Exemplarisches Lernen bildet eine vertretbare Strategie der Inhalts- und Komplexitätsreduktion. Die Auswahl der zu behandelnden Inhalte muss zum einen schüler- und problembezogen sein, zum zweiten exemplarisch für das Thema. Exemplarisches Lernen und Lehren ermöglicht, allgemeine politische Fragestellungen (Strukturen und Gesetzmäßigkeiten) im ausgewählten Problem zu erkennen, und ist damit eng verbunden mit dem Prinzip der Problemorientierung. Exemplarisches Lernen ist insofern Kern eines kompetenzorientierten Unterrichts.

Aktualität und Anschaulichkeit: Politische Bildung soll nach Möglichkeit aktuelle Probleme und Lösungsvorschläge aufgreifen. Die Lehrinhalte sollen anschaulich und einprägsam vermittelt werden. Zusammen mit Auswahlkriterien wie Betroffenheit und Bedeutsamkeit der Thematik kann dadurch eine Steigerung des Interesses bzw. der Motivation an politischen Themen erreicht werden.

Induktives Vorgehen: Politische Bildung geht nach Möglichkeit vom Besonderen - von anschaulichen Einzelfällen - aus, baut darauf auf und arbeitet das Allgemeine heraus. Das Prinzip "Induktion vor Deduktion" ist im Kontext der Problemorientierung und Exemplarität zu sehen.

Handlungsorientierung: Politische Bildung soll zum einen selbsttätiges Lernen erlauben und fördern (z. B. durch entsprechende Methoden wie Projektarbeit). Zweitens geht es aber auch um das Einüben eines individuellen Handlungsrepertoires für die politische Auseinandersetzung und Meinungsbildung, z. B. durch Einüben von Schlüsselqualifikationen wie Debattieren oder Präsentieren.


Literaturhinweise

  • Paul Ackermann, Gotthard Breit, Will Cremer, Peter Massing, Peter Weinbrenner: Politikdidaktik kurzgefasst. 13 Planungsfragen für den Politikunterricht, Schwalbach/Ts. 2010
  • Sybille Reinhardt: Politikdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2005
  • Michael May, Jessica Schattschneider: Klassiker der Politikdidaktik neu gelesen, Schwalbach/Ts 2011
  • Georg Weißeno (Hrsg.): Politikkompetenz. Was Unterricht zu leisten hat, Bonn 2008
  • Ursula Buch u.a. (Hrsg.): Die Kompetenzdebatte. Eine Zwischenbilanz, Kursiv, Journal für politische Bildung, Heft 3/2008, Wochenschauverlag


Stand 15.04.2013

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