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Schubert trifft Moderne

Das 200jährige Jubiläum des „deutschen Klavierliedes“ nahm der Förderverein des Pädagogischen Fachseminars Karlsruhe zum Anlass, ein kontrastreiches Konzert mit Liedern von Schubert und zeitgenössischen Komponisten zu veranstalten. Die ausgewählten Gedichte von Goethe, Schiller, Heine und Mayerhofer, die Schubert vertonte, ranken sich um die griechische Götterwelt. Mit Martin Backhaus, Bariton, und Wiebke tom Dieck, Klavier, beide aus Berlin angereist, konnten zwei Könner ihres Faches gewonnen werden, die sich im Laufe des Konzertes zu einer Symbiose vereinten. Durch die feinnuancierten Interpretationen verstanden sie die markanten Merkmale der Vertonungen herauszuarbeiten, so dass beim Zuhörer der griechische Götterhimmel vor dem inneren Auge entstand. Im ersten Konzertteil wurden mit der Auswahl u.a. „Dithyrambe“, „Ganymed“, „Der zürnenden Diana“ und „Prometheus“ die großen Gegensätze der Sturm- und Drangzeit bestens beleuchtet.

Im zweiten Teil verstand es Martin Backhaus noch mehr, die Wandlungsfähigkeit seiner Stimme zu nutzen. Mit dem lyrischen Stück „Ach,aus dieses Tales Gründen“ versetzte er die Zuhörenden in eine romantische Szenerie. In „Die Götter Griechenlands“, „Orest auf Taurus“, „Philoktet“, und „Der Atlas“ gelang es ihm, die Dialoge und Monologe der Protagonisten plastisch erscheinen zu lassen und treffsicher zu charakterisieren. Mit der „Fahrt zum Hades“ skizzierte Backhaus mit seinem tiefen Timbre glaubwürdig eine düstere Stimmung.

Im „An Schwager Kronos“ ließ er noch einmal das Anliegen der Sturm und Drangzeit, nämlich die Befreiung des Menschen aus seiner Unmündigkeit, aufblitzen.

Wiebke tom Dieck verstand es bei jedem Lied den eigenen Charakter der Schubert‘schen Kompositionen herauszuarbeiten und unterstützte den Sänger mit ihrer feinfühligen Agogik. Im Impromptu op. 142 Nr.2 in As-Dur erlebten die Zuhörer eine mitreißende Interpretation auf höchstem Niveau. Die innig vorgetragenen romantischen Passagen, ekstatisch schnelle Läufe im Mittelteil und die fein herausgearbeitete Kontrapunkttechnik in den Begleitstimmen zeigten die Fingerfertigkeit und das große Einfühlvermögen einer gut aufgelegten Pianistin.

Einen starken Kontrast bildeten die Uraufführungen der Werke von Volker Ignaz Schmidt nach Texten von Werner Dürsson und Art Oliver SimonsVertonung des Rilke-Gedichtes „Liebende und Leidende“. Beide Komponisten sehen ihre Arbeiten in der Tradition des deutschen Klavierliedes und bringen mit perkussiven Klängen völlig neue Aspekte in das Genre hinein. Die Klavierbegleitung verlässt dabei die funktionale Harmonik und versucht die Textaussagen klanglich zu unterstützen. Beiden Interpreten gelang es, dabei neue künstlerische Akzentezu setzen.

Am Ende der Veranstaltung bedankten sie sich mit Schuberts „An die Musik“ für den herzlichen Applaus.

                                                                                                                                       rbr



Ankündigung

„Lieder von Schubert bis in die Moderne“ heißt die Konzertveranstaltung, die am 6.11.2014 um 17.00 Uhr in der Hertzstraße 16 im Seminargebäude 6.40 in Karlsruhe stattfindet. 

Die Interpreten sind:

Martin Backhaus (Bass- Bariton), er studierte Schulmusik an der UdK Berlin und erhielt bei den amerikanischen Baritonen George Fortune, Scott Weir und Fred Nahr seine Gesangsausbildung.

Meisterkurse und eine reiche Konzerttätigkeit runden sein musikalisches Profil ab.

Wiebke tom Dieck (Klavier) ist 1973 geboren, sie studierte Klavier an der Hochschule für Musik und Theater Hannover und Liedgestaltung an der Kölner Hochschule für Musik.Meisterkurse bei Hartmut Höll in Karlsruhe bereicherten ihre musikalischen Kenntnisse. 2007 veröffentlichte sie das Album „Getroffen“.

Neben einer Auswahl aus dem reichhaltigen Schaffen Schuberts kommen jeweils zwei Uraufführungen von Volker Ignaz Schmidt und Art Oliver Simon zu Gehör (Vita siehe unten).

Dem Konzert geht von 13.45 bis 15.15 Uhr eine Begleitveranstaltung voraus, die die Entwicklung des Kunstliedes von Schubert bis zur Moderne aufzeigt. Eingebettet in einen Vortrag wird der Wechselwirkung zwischen Lyrik und Musik sowie dem Verhältnis zwischen Stimme und Klaviersatz nachgespürt. Exemplarisch ausgewählte Musikbeispiele, vorgetragen von den Interpreten, verdeutlichen die Aussagen.

Beide Veranstaltungen werden vom Förderverein des Pädagogischen Fachseminars Karlsruhe unterstützt. Das Begleitseminar ist frei für alle, aber nur vorangemeldete Teilnehmer/innen können berücksichtigt werden.

Für das Konzert gelten folgende Preise:

Abendkasse 10 €. (ohne jegliche Ermäßigung)

Bei Reservierungen erhalten Fördervereinsmitglieder 100% Ermäßigung, Studierende und Anwärter/innen 50% Ermäßigung (mit Ausweis).

Reservierte Karten werden an der Abendkasse hinterlegt.

Die Reservierung erfolgt per Mail an brauch@pfs-seminar-ka.de oder ra.brauch@t-online.de oder telefonisch unter 07251/2853. Die Reservierungen werden nach Eingang berücksichtigt.

Vita der Komponisten:

Volker Ignaz Schmidt, geboren 1971. Mit 15 Jahren erste kompositorische Versuche. Mitglied verschiedener Rock- und Jazzensembles. Studium der Informatik. Ab 1995 privater Kompositionsunterricht in den USA, Deutschland und Großbritannien. Ab 2000/2001 erste Kompositionen. „Rezitationen“ entstand als Wettbewerbsbeitrag zum Buch „Kontrabass-Werke der jungen Generation“, Berlin 2012. Die Dürssonlieder wurden 2013 im Liedband „Aus der Tiefe der Gesang“, Berlin, veröffentlicht.

Art Oliver Simon, geboren 1966 in Hamburg. Nach dem Studium der Musikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, Studium der Komposition bei Frank Michael Beyer und der Udk Berlin. 1993 Kompositionspreis des Berliner Senats und 1994 den Boris-Blacher-Kompositionspreis der UdK Berlin. Von 1993 bis 1995 IRCAM Paris, Studium formalisierter computergestützter Kompositionsverfahren. Ab 1995 freischaffender Komponist in Berlin. Ab 2010 Leitung der Serie Hören  und Lernen und composer’s program des Simon Verlages. Herausgeber von Werken zeitgenössischer Komponisten in Druckform und als e-book.

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