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Orientierungsplan

Eckpunkte zur Modifizierung und Weiterentwicklung des Orientierungsplanes

1. Vereinbarung zur Entwicklung eines Orientierungsplans

Auf der Grundlage einer Vereinbarung vom 30. Juli 2004 (siehe Orientierungsplan – Pilotphase, S.122 ff Anhang) zwischen Kultusministerium, Sozialministerium, kommunalen Landesverbänden, Kirchen, sonstigen freien Trägerverbänden und Landeselternrat sowie der Ergebnisse der öffentlichen Anhörung des Schulausschusses des baden-württembergischen Landtags am 4. Juli 2003 erfolgte die Entwicklung des „Orientierungsplans für Bildung und Erziehung für die baden-württembergischen Kindergärten – Pilotphase“. Das gedruckte Exemplar wurde in einer Landespressekonferenz am 23. November 2005 den Journalisten vorgestellt und zeitgleich an alle Kindergärten und Grundschulen versandt.

Wie am 30. Juli 2004 vereinbart, wird der Orientierungsplan in einer dreijährigen Pilotphase erprobt und wissenschaftlich begleitet. Die Implementierungsphase wird durch eine breite Qualifizierungsoffensive unterstützt. In einer weiteren Vereinbarung am 5. November 2005 haben sich Land und Kommunen auf eine je hälftige Beteiligung an den Fortbildungskosten aller ca. 38.000 Erzieherinnen und Erzieher in Baden-Württemberg im Umfang von insgesamt bis zu 20 Mio. Euro verständigt. Darin sind auch Kosten für die Fortbildung von Kooperationsbeauftragten und je einer Lehrkraft pro Grundschule enthalten. „Auf der Grundlage verbindlicher konzeptioneller Absprachen wird sichergestellt, dass mit diesem Betrag die Implementierung bei allen Trägern nach gleichen Standards erfolgt“, heißt es in der „Verwaltungsvorschrift des Kultusministeriums über Zuwendungen zur Förderung von Fortbildungen pädagogischer Fachkräfte in Kindergärten“. Um eine qualitätsvolle standardbasierte Fortbildung zu gewährleisten, wurde diese Verwaltungsvorschrift erstellt und am 17. Juli 2006 und 1. Februar 2007   veröffentlicht.

2. Wissenschaftliche Begleitung

Die wissenschaftliche Begleitung bei der Einführung des Orientierungsplans für die Kindergärten wird von Prof. Dr. Edeltraud Röbe (Sprecherin der wissenschaftlichen Begleitung) und Prof. Dr.Iris Füssenich, beide von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und Prof. Dr. Norbert Huppertz von der Pädagogischen Hochschule Freiburg betreut. Über 1000 Kindergärten hatten sich im Januar 2006 beworben, an der dreijährigen wissenschaftlichen Begleitung teilzunehmen. Ausgewählt wurden 30 Kindergärten nach Trägerproporz, die seit Juni 2006 intensiv begleitet werden. Einbezogen sind 200 Erzieherinnen und Erzieher sowie 2 400 Kinder. Eingesetzt wird eine Kombination aus Beobachtungs-, Foto- und Filmdokumentationen und einer schriftlichen Befragung zu Beginn und am Ende der Erprobungsphase. Der Fragebogen soll Erwartungen aufzeigen, mögliche Verständnisschwierigkeiten bei der Umsetzung des Orientierungsplans identifizieren und Raum für Verbesserungsvorschläge lassen. Die Begleitung vor Ort schließt ein Coaching mit ein. Die Kindergärten, die nicht berücksichtigt wurden, konnten an einer schriftlichen Befragung teilnehmen. Damit verbunden war eine Auswertung und Rückmeldung durch das Wissenschaftlerteam der beiden Pädagogischen Hochschulen. Die Wissenschaftler haben außerdem aus den rund 7 500 Kindergärten eine repräsentative Stichprobe von 700 Kindergärten gezogen. Sie werden auf freiwilliger Basis evaluiert.

3. Koalitionsvereinbarung

„Den Orientierungsplan für frühkindliche Bildung und Erziehung“, so die Koalitionsvereinbarung zur 14. Legislaturperiode im Mai 2006, „werden wir, begleitet durch umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen für Erzieherinnen und Erzieher, nach einer Pilotphase flächendeckend einführen und dabei Kindergärten und Grundschulen enger miteinander verzahnen.“

4. Breiter Beteiligungsprozess

Die Erfahrungen der Pilotphase, die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitung und der breite Diskussionsprozess während der Erprobungszeit werden dazu beitragen, den Orientierungsplan weiterzuentwickeln und gegebenenfalls zu modifizieren.

Wie bei der Entwicklung des Orientierungsplans wird auch die Weiterentwicklung in einem breiten Beteiligungsprozess von betroffenen Institutionen, Trägern, Verbänden und der interessierten Öffentlichkeit durchgeführt.

  • Bei der konstituierenden Sitzung des Lenkungsausschusses zur Weiterentwicklung des Orientierungsplans am 1. August 2008 unter der Leitung von Herrn Staatssekretär Georg Wacker MdL haben sich die Ausschussmitglieder auf das vorliegende Eckpunktepapier verständigt. Im Lenkungsausschuss sind folgende Ressorts und Verbände vertreten: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Ministerium für Arbeit und Soziales, kommunale Landesverbände, Kirchen, sonstige freie Trägerverbände, Landesjugendamt, wissenschaftliche Begleitung des Orientierungsplans.
  • Der Lenkungsausschuss soll als Gremium zwischen politischer Ebene und Arbeitsebene die Vorgaben diskutieren und bewerten und den eingeschlagenen gemeinsamen Weg der Weiterentwicklung des Orientierungsplans konstruktiv gestalten. Ziel ist die Optimierung des Orientierungsplans, der für die Pilotphase entwickelt wurde.
  • Eine gemischte Expertengruppe aus Wissenschaftlern, der Fachpraxis, Bildungsplanexperten für den Kindergarten- und Grundschulbereich, Fachberaterinnen und Fachberatern, Kooperationsbeauftragen Kindergarten-Grundschule und Eltern wird sich im September und November 2008 in Klausur begeben.
  • Auf der Grundlage von Vorgabenpapieren (Eckpunktepapier, Zeitplan), anhand von Berichten der wissenschaftlichen Begleitung, Rückmeldungen von Verbänden und Veröffentlichungen wird die Expertengruppe Vorschläge unterbreiten und Papiere zur Weiterentwicklung des Orientierungsplans erstellen. Berücksichtigung finden dabei auch die Ergebnisse einschlägiger Projekte in Kindergärten wie „Infans“, „Fa.i.B.Le“ und andere.

Die Gesamtergebnisse werden von einer Redaktionsgruppe redaktionell aufgearbeitet.

Zeitrahmen zur Umsetzung des Orientierungsplans

„Zeitrahmen für die Einführung des Orientierungsplans: ... Die Umsetzung wird in allen Kindertageseinrichtungen im Kindergartenjahr 2009/2010 erfolgt sein.“ Vereinbarung zum Orientierungsplan vom 30. Juli 2004, S.124 Orientierungsplan – Pilotphase

Eckpunkt 1: Was soll bleiben?

Mehrperspektivischer Bildungsbegriff

  • Bildungs- und Entwicklungsmatrix mit den 6 Bildungs- und Entwicklungfeldern und den Motivationen des Kindes als Webteppich
  • Verbindlichkeit (verbindliche Ziele, mindestens ein verbindliches Elterngespräch pro Jahr, verbindliche Dokumentation der individuellen Bildungs- und Entwicklungsprozesse jedes einzelnen Kindes)
  • Aufbau des Plans
  • Aufbau der Bildungs- und Entwicklungsfelder mit Denkanstößen
  • Schlanker, kompakter Bildungsplan

Eckpunkt 2: Intensivierung und Präzisierung der Ausführungen für die Altersgruppe der unter Dreijährigen

Bildung beginnt mit der Geburt.
Der Orientierungsplan umfasst schwerpunktmäßig die Altersstufen 3 bis 6, enthält aber auch Ausführungen für die Kinder unter drei Jahren. Er gibt Orientierung für Bildungsprozesse von Geburt an, für den Übergang vom Kindergarten in die Schule und für die Weiterführung in der Grundschule. Damit wird eine kontinuierliche, nachhaltige Bildungsbiografie angestrebt. Ziel ist es, die Ausführungen zu den Bildungsprozessen für Kinder von Geburt bis zu drei Jahren zu intensivieren und zu präzisieren. Der Schwerpunkt soll somit auch auf die Altersgruppe der Kinder unter drei Jahren, also von 0 bis 3 Jahren, gelegt werden.

Eckpunkt 3: Was soll ergänzt werden?

Die bisherigen Rückmeldungen zur Ergänzung beziehen sich auf folgende Themenbereiche:

  • Bildung von Kinder unter drei Jahren
  • Lebenslagen von Kindern heute
  • Medienerziehung
  • Berücksichtigung der Bildung für nachhaltige Entwicklung
  • Berücksichtigung der Kinderrechte
  • Berücksichtigung von hochbegabten Kindern
  • Stärkere Berücksichtigung von Kindern mit Behinderung
  • Stärkere Berücksichtigung der Musik
  • Evaluation / Qualitätsmanagement
  • Orientierungsplan als Steuerungsinstrument

Eckpunkt 4: Was soll präzisiert werden?

Die bisherigen Rückmeldungen zur Präzisierung beziehen sich auf folgende Themenbereiche:

  • Klarere Definition der Verbindlichkeiten
  • Erhöhung der Verstehbarkeit für Erzieherinnen und Erzieher
  • Verdeutlichung des Zusammenhangs zwischen Bildung und Bindung
  • Werteerziehung als durchgängiges Prinzip

 

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