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Leitlinien der Arbeit am Fachseminar

Funktion der Ausbildung

Wir verstehen die Ausbildung am Fachseminar zur/zum Fachlehrer/in als bedeutsamen Weiterbildungsschritt im Horizont Lebenslangen Lernens. Die Anwärter/innen verfügen mit dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung über eine Doppelqualifikation, die sie auf der Grundlage ihrer Erstausbildung berechtigt, sowohl Lern-Lehrprozesse zu begleiten als auch Klassenlehrerfunktion zu übernehmen. Um diesen Qualifizierungsprozess zu unterstützen, bietet das Fachseminar den Anwärter/innen berufsspezifische Orientierungen an und eröffnet am Seminar und in den Ausbildungsschulen entsprechende Zeit-Räume, die es den Anwärter/innen möglich machen, sich bildend für den Lehrberuf vorzubereiten. Der Prozess der Weiterqualifizierung bezieht sich dann sowohl auf den Bereich fachlicher und kommunikativer Kompetenzen als auch auf die Entwicklung einer individuellen Lehrerpersönlichkeit, die im Rahmen der Teamarbeit differenzierte Standpunkte einnehmen, diese vertreten und an gemeinsamen Lösungen mitarbeiten kann.

Das Arbeitsumfeld

Wir gehen davon aus, dass diese Qualifizierung und die spätere Berufstätigkeit in einem Arbeitsumfeld zu leisten ist, das jetzt schon beginnend und künftig zunehmend von Neuausrichtungen geprägt ist bzw. geprägt sein wird. Insbesondere wird die sonderpädagogische Kompetenz im allgemeinbildenden Umfeld eine immer größere Bedeutung erhalten. Die damit verbundenen zusätzlichen Herausforderungen werden den künftigen Fachlehrer/innen ein hohes Maß an Professionalität abverlangen. Hier sehen wir vor allem die Kompetenz, sich flexibel immer wieder auf neue Herausforderungen einlassen und gemeinsam nach Lösungen suchen zu können, als eine der zentralen Voraussetzungen für das künftige Berufsbild. Denn erst dann kann die Vielfalt der Schüler/innen mit geistigem bzw. körperlichem Entwicklungsbedarf als Potenzial für die Lernentwicklung und die Kooperations- bzw. die Inklusionsbestrebungen als Strategie begriffen werden, um die Bildungsmöglichkeiten der Schüler/innen zur Geltung bringen zu können.

Der Anwärterkreis

Unsere Anwärter/innen sehen wir für diese anspruchsvolle Aufgabe mit guten Grundlagen ausgestattet, weil sie aufgrund ihrer Erstqualifikation Kompetenzen und Erfahrungen bereits mitbringen. Diese unterschiedlichen Expertisen aus den jeweiligen Berufsfeldern stellen für den Ausbildungsprozess eine bereichernde Grundlage dar. Als Seminaranbieter/innen bzw. Praxisbegleiter/innen sehen wir es als eine unserer zentralen Aufgaben an, einen Austausch dieser Expertisen zwischen den Berufsgruppen zu fördern. Deutlich wird aber auch durch diesen Umstand, dass die Ausbildung am Fachseminar gerade von diesen unterschiedlichen Ausgangsbedingungen geprägt ist. Eine erfolgreiche "Passung" zwischen den Ausbildungsbedarfen der Anwärter/innen und dem Ausbildungsangebot seitens des Fachseminars kann aus unserer Sicht nur über einen kontinuierlichen wertschätzenden Austausch zwischen allen Beteiligten erfolgen. Letztlich verbleiben aber die Anwärter/innen in der Verantwortung für ihren Bildungsprozess, dessen Richtung sie auf der Grundlage der Rückmeldungen bestimmen und offen diskutieren.

Orientierung durch das Ausbildungsangebot

Das Fachseminar weist ein kompetenzbasiertes, curricular ausgerichtetes Ausbildungsangebot (siehe Reader?) aus, das einerseits als Orientierungsrahmen für den je eigenen Bildungsprozess und andererseits als prüfungsbezogener Erwartungshorizont dient. Dieses Angebot hat einen modularen Aufbau, der sich bewusst an den Studienordnungen der Pädagogischen Hochschulen orientiert, um anschlussfähig zu bleiben: Das erste Halbjahr zielt auf den Erwerb wissenschaftsbezogener Grundlagen, das zweite Halbjahr auf die fachbezogene Vertiefung und Reflexion des Lehr-Lern-Handelns und das dritte Halbjahr auf die Vernetzung der erworbenen Kompetenzen mit dem schulischen (Um-)Feld. Jeweils diesen Modulen sind Bildungsschwerpunkte zugeordnet (Inklusion und (Sonder-) Pädagogik, Schüler/innen im Mittelpunkt, Unterricht und Professionalisierung, Schule und Umfeld, Medien). Die Seminare werden von den Seminaranbieter/innen vorab ausgeschrieben, der Seminarverlauf evaluiert und die Ergebnisse gemeinsam besprochen. Wir beabsichtigen das Angebot durch Sonderveranstaltungen und der Möglichkeit zum Erwerb von Zusatzqualifikationen zu erweitern. Diese Struktur soll sowohl eine qualitätshaltige Ausbildung für den Fachlehrerberuf gewährleisten als auch den Anwärter/innen eine realistische Chance zur Weiterqualifizierung an den Pädagogischen Hochschulen bieten.

Der Aus-/Bildungsprozess

Das Gelingen dieses anspruchsvollen Ausbildungsgeschehens setzt den respektvollen, anerkennenden wechselseitigen Umgang der Mitarbeiter/innen und der Anwärter/innen voraus. Beide Seiten müssen ihre jeweiligen Expertisen aktiv einbringen und sind auf differenzierte Rückmeldung angewiesen. Die Ausbildung selbst findet im Rahmen dreier Ausbildungsformen statt: der Ausbildung am Seminar, der Ausbildung an den Schulen und in der Schulpraxisgruppe, die als Begleitseminar eine "Scharnierfunktion" zwischen den Seminaren und der Schulpraxis einnimmt. Seminaranbieter/innen und Praxisbegleiter/innen einerseits und Mentor/innen und Schulleiter/innen andererseits sind dabei, bezogen auf ihre jeweiligen Funktionen, die Dialogpartner für die Bildungsbelange der Anwärter/innen. Gerade die Dokumentation und die strukturierte Reflexion dieser Rückmeldungen bzw. der Diskussionsverläufe erlaubt es den Anwärter/innen, ihren individuellen Bildungsweg zu erkennen. Unter Hinzunahme der je eigenen Berufs- und Lernbiographie wird der Entwurf einer Entwicklungsperspektive möglich. Diesen Bildungsprozess professionell zu unterstützen sehen die Mitarbeiter/innen des Fachseminars als ihre Kernaufgabe an. Ein Spektrum von Ausbildungsformaten, das von instruktiven über sich öffnenden bis hin zu offenen Verfahren reicht, soll diese angestrebten Bildungswege flankieren.

Anschlussfähigkeit durch Vernetzung

Schließlich ist auch das Fachseminar Teil der Gesellschaft und bedarf deshalb selbst ständiger Weiterentwicklung. Treibende Kräfte sind hierbei die Rückmeldungen und das Engagement der Anwärter/innen (APR), der stetige Austausch der Mitarbeiter/innen untereinander, deren Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen, die Rückmeldungen aus den Ausbildungsschulen und die Ergebnisse kontinuierlicher Reflexion und Evaluation. Aber auch Unterstützungen aus Verwaltung und Bildungspolitik und neue Erkenntnisse aus dem wissenschaftlichen Bereich helfen das Fachseminar weiter zu entwickeln.
Das Leitungsteam des Fachseminars pflegt bzw. unterstützt deshalb Kontakte nach außen, die zum Ziel haben, Anregungen aus dem bildungspolitischen Umfeld aufzunehmen bzw. das Bewusstsein für die besondere Situation der Fachlehrer/innen zu schärfen. Über Kooperationen, wie etwa mit den Staatlichen Seminaren und der PH Heidelberg, und durch die Teilnahme an fachwissenschaftlicher Diskussionen und überregionalen Tagungen streben wir eine Vernetzung mit dem bildungspolitischen bzw. bildungswissenschaftlichen Umfeld an. Dies soll die Anschlussfähigkeit des Pädagogischen Fachseminars stärken und darüber hinaus unseren Anwärter/innen eine realistische Chance eröffnen, sich lebenslang weiterzubilden.
Ergänzt werden diese Bemühungen durch unser Serviceformat "Experten-Forum", durch das wir uns unseren Ausbildungsschulen, den ehemaligen Anwärter/innen und einer interessierten Öffentlichkeit gegenüber als ein kompetenter Partner in Sachen Fortbildung für sonderpädagogische Kompetenz im inklusiven Umfeld etablieren wollen.

Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung

Um die erreichte Qualität zu sichern, wird die Ausbildung in den Seminaren, in der Schule und in der Schulpraxisgruppe systematisch und kontinuierlich in Gruppen reflektiert und über anonyme Online-Befragungen evaluiert. Die Erkenntnisse werden unmittelbar aufbereitet und den Beteiligten zur Diskussion gestellt. Es ist dann Aufgabe des Leitungsteams, die Weiterentwicklungsbedarfe, die aus dieser Feedback-Kultur hervorgehen, als Entwicklungsperspektiven aufzugreifen, entsprechend zu formulieren und für deren Umsetzung zu sorgen. Um unsere Bemühungen um Sicherung und Weiterentwicklung unserer Ausbildungsqualität nach innen und nach außen hin sichtbarzumachen, wird die Arbeit am Fachseminar in einem Qualitätshandbuch dokumentiert und fortgeschrieben.


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