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„Spielraum“ in der Alten Mensa eröffnet

Ganzheitliche Lehrerbildung am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Berufliche Schulen und Gymnasien) Weingarten erfährt weitere Impulse!

Ein ergänzender Baustein zur weiteren Entwicklung und Entfaltung einer Ganzheitlichen Lehrerbildung am Seminar Weingarten wurde in diesen Tagen etabliert. Wir wollen „Spielraum“ im eigentlichen Sinne des Wortes geben. Deshalb erfuhr einer der Gruppenräume im Erdgeschoss der Alten Mensa eine Spieleeinrichtung, die von herkömmlichen Spielen wie Schach, Mühle, Mensch ärgere dich nicht u.a.m. über einen Kicker bis zu einem Billardtisch reicht. Für jede „Spielernatur“ müsste etwas dabei sein. Daneben kann ein CD-Player mit Radio genutzt werden, um je nach Situation die dazugehörige musikalische Atmosphäre zu schaffen. Damit beim Begriff „Spielernatur“ kein Missverständnis vorkommt: Spielen soll Freude und Motivation nach sich ziehen, keinesfalls eine Spielsucht oder ein Denken im Sinne eines unbedingten Gewinnen-Müssens. Unsere anthropologische Sicht der Bedeutung des Spielens kann demgegenüber bei einem deutschen Klassiker festgemacht werden: Kein Geringerer als Friedrich Schiller hat schon vor mehr als 200 Jahren sehr deutlich formuliert: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Wir können uns deshalb aus gutem Grund auf das humanistische Menschenbild der deutschen Klassik berufen. Wem dies zu übertrieben erscheint, den dürfen wir auf den auch in der Pädagogik der Gegenwart wegen seiner Arbeiten zum vernetzten Denken bekannt gewordenen Naturwissenschaftler Frederic Vester verweisen, der im Hinblick auf eine Notwendigkeit des Spielens für den Menschen festhält: „Spielen ist die einzige Art, richtig verstehen zu lernen.“

Dieser Facette des Menschseins tragen wir in Zukunft mit unserem „Spielraum“ Rechnung. Wird Spielen nicht übertrieben, wenn folglich ohne Fanatismus und inneren Zwang einfach nur so zum Spaß gespielt wird, ist das nicht nur ein wichtiger Ausgleich für manch herausforderndes und anstrengendes intellektuelles Geschäft. Spiel ist dann der Gegenpol zum „Muss“ des Alltagsgeschäfts und den damit verbundenen Leistungsmaßstäben, denen wir unbedingt auch ihre Berechtigung und Notwendigkeit einräumen. Die Polarität jedoch, die an dieser Stelle zum Ausdruck gebracht ist, hat schon C.G. Jung vor dem Hintergrund des auch von ihm hervorgehobenen ganzheitlichen Ansatzes deutlich gemacht. Ihm zufolge ist „Ganzheit nur durch die Koexistenz von Gegensätzen möglich.“ Und so soll es denn sein: Wir fordern Leistung ein und halten Leistungsmaßstäbe hoch. Daher wird ernsthaftes, manchmal mühevolles Arbeiten unabdingbar sein. Wir bieten aber ausdrücklich auch die andere Seite der Medaille einer gelingenden Lebensführung an: Ausgleich, Entspannung, Freude, Spaß, Ausgelassenheit und Distanzgewinnung zu einem einseitigen Leistungsdenken. Dafür räumen wir - neben anderem - ab sofort einen „Spielraum“ ein.

Spielen ermöglicht in dem von uns verstandenen Sinne eine ganze Reihe von Erfahrungen und beste Möglichkeiten zur Unterstützung unserer Lebensführung. Vielleicht verbirgt sich dahinter sogar ein wenig ein Beitrag zur Lebenskunst. Denn Spielen im rechten Maß…
- schafft Lebensfreude,
- sichert die Beachtung von Regeln und die Achtung vor Regelungswerken,
- belohnt häufig Fantasie und Teamgeist,
- ächtet Spielverderber,
- zeigt uns unsere Grenzen auf und fördert damit auch Selbsterkenntnis,
- lehrt uns mit Niederlagen umzugehen,
- verbindet unsere Kopf-, Körper- und Sinneswelt,
- lässt uns Durststrecken zwischen Leistung und Erfolg leichter überwinden und
- zeigt uns tatsächlich manchmal deutlich auf, dass man sich unbändig freuen und vielleicht auch einmal ein ganz klein wenig „abheben“ darf, ohne dass einem auch als gesittet und intellektuell geltendem Akademiker gleich ein Zacken aus der meistens sowieso nicht vorhandenen oder nur eingebildeten Krone bricht.

Viel Spaß beim Spielen!

Professor Dr. Harald Görlich

P.S.: Ich bedanke mich bei meinen Kollegen Professor Franz Bek, Professor Dr. Raimund Schäble, Prof. Thomas Ohlhauser und bei meiner Mitarbeiterin, Frau Edith Schulz, für die Unterstützung der Spielidee und deren Umsetzung in einem Spielraum.

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