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Herausforderung Hochbegabung Erfahrungen und Ausblick  (24.01.08)

Ein Informations- und Diskussionsabend

 

 Jedes Kind, jeder junge Mensch hat das „Recht auf eine seiner Begabung  entsprechende Er­ziehung und Ausbildung“, mit diesem Hinweis auf das Schulgesetz stieg Claudia Stuhrmann, Stellvertretende Referatsleiterin im Bereich Allgemein bildende Gymnasien am Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, in ihren Vortrag über das Konzept der Hochbegabtenförderung in Gymnasien in Baden-Württemberg ein. Dass das Thema „Hochbegabung“ in Rottweil inte­ressiert, zeigte sich auch am zweiten Veranstaltungsabend des Staatlichen Seminars für Di­daktik und Lehrerbildung (Gymnasien) in Zusammenarbeit mit der Stadt Rottweil. 130 Zuhö­rer folgten den Vorträgen. Zukunftsweisend, so Stuhrmann,  seien die baden-württembergi­schen Anstöße der individuellen Förderung Hochbegabter, die sich zum einen in der Grün­dung des Landesgymnasiums für Hochbegabte in Schwäbisch-Gmünd, zum anderen in der Einrichtung von Hochbegabtenzügen an ausgewählten Schulen und Schulorten – das Leibniz-Gymnasium in Rottweil ist eine davon – niederschlagen.  Dabei stehen – und dies war durch­gängiger Tenor aller Referentinnen des Abends - das Kind und seine Persönlichkeitsbildung im Vordergrund: Man misse ein Bildungssystem, so Stuhrmann, auch nach seiner „Mensch­lichkeit“.

Annette von Manteuffel wagte als Schulleiterin des Landesgymnasiums für Hochbegabte in Schwäbisch-Gmünd den Sprung in die Realität einer Hochbegabten-Klasse. Auch wenn alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse einen IQ von 135 aufwiesen, gebe es trotzdem eine große Inhomogenität. Neben den „Hochleistern“ sitze der „Wenn er/sie will“ – Typ; daneben  Mädchen, die ihre Leistungsfähigkeit verstecken, um nicht ausgegrenzt zu werden, und der „Underachiever“, das Kind, das auf Grund langjähriger Unterforderung wenig Durch­haltevermögen und eine geringe Frustrationstoleranz aufweise. Es gebe laut von Manteuffel „viele Rezepte“, diese müssten aber „ganz spezifisch für das jeweilige Kind“ angewendet werden. Ein „Underachiever“ beispielsweise bräuchte unmittelbare Erfolgserlebnisse. Wichtig sind der Schulleiterin das „individuelle Fördern und Fordern“ beispielsweise über ein Mentorensystem sowie die Ausrichtung auf eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung. Lehrer, die im Schwäbisch-Gmünder Campus unterrichten, sollten nicht nur „Experten für Hochbegabtenförderung“ sein, sondern auch „sehr gute Pädagogen“.

Die informativen Vorträge rundeten zwei Kolleginnen des Karls-Gymnasiums in Stuttgart mit ganz konkreten Beispielen aus dem Fach „Mensch und Natur“, das dort Kern des Enrichment-Bereichs zur Förderung Hochbegabter bildet, ab. Im Team unterrichten zwei Kollegen die Kinder des Hochbegabtenzuges in Form einer Werkstatt, die nicht nur kognitives, sondern auch handwerkliches Handeln schult.

In der regen Diskussion im Anschluss an die Vorträge ging es um Fragen zu sozialen und ganzheitlichen Aspekten wie beispielsweise ob und wie eine Klassengemeinschaft unter Hochbegabten entstehe, wie man Konflikten und Spannungen zwischen Hochbegabten und normal Begabten an Gymnasien mit Hochbegabtenzügen begegne und wie man ganz speziell soziale Fähigkeiten schulen könne. Ebenso konnten ganz konkrete Fragen zum Rottweiler Hochbegabtenzug wie  Vorstellungen zur Unterbringung im Konvikt oder Messung auch sozialer Kompetenzen beim Testverfahren geklärt werden.

 

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Hochbegabung: "Erkennen und Fördern"  (17.01.08)

Ein Vortrag von Herrn Prof. Kurt A. Heller, München:

„Hochbegabung ist ein Geschenk der Natur. – Verscherzen wir dies nicht !“ so lautete das Fazit des Psychologen und Leiters des Zentrums für Begabungsforschung an der Universität München Prof. Dr. Kurt Heller.

In einem gehalt- und humorvollen Vortrag führte der Psychologe in das Thema „Hochbegabung Erkennen und Fördern“ ein. 180 Zuhörer folgten den Ausführungen des Hochbegabungsexperten, der schon 1985 die erste Hochbegabungsstudie in Deutschland leitete. Heller konstatierte, dass die Grenzen zwischen „begabt“, hochbegabt“ oder „genial“ kaum zu ziehen seien. „Hochbegabung“ sei ein Phänomen mit vielen „Facetten“ und reiche über die intellektuelle, sportliche zur praktischen oder sozialen Hochbegabung*. Es gebe nur etwa 1% einer Alterstufe mit allseitiger Hochbegabung in allen Bereichen. Die Erbanlagen seien zwar eine wichtige Voraussetzung, dass Hochbegabte auch die Leistungen erzielen, die sie könnten. Genauso bedeutend aber seien Persönlichkeitsmerkmale wie Stressbewältigung und der Einfluss der Umwelt, natürlich besonders hier das Familien- und Schulklima.

Was passiert, wenn Hochbegabung nicht erkannt und gefördert wird, zeigte Heller in seinem Vortrag deutlich auf: „Underachiever“ sind hochbegabte Kinder, die erwartungswidrig schlecht abschneiden. Je länger man hier warte, desto schwieriger werde es, Lücken zu füllen. „Hochbegabung“ sei „eine notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung für Erfolg.“ und verdiene daher eine spezielle Förderung.

Dem Vortrag folgte eine rege Diskussion. Anwesende  Mütter und Väter interessierten sich für das Testverfahren, das das Rottweiler Leibniz-Gymnasium anwenden werde, wenn es seinen Hochbegabtenzug zum kommenden Schuljahr einrichte. Viele Fragen, auch von seiten der Lehrerinnen und Lehrer, wurden zum Problem der „Underachiever“ gestellt: ab welchem Alter sich Phänomene wie Unlust  bemerkbar machten oder wie man diese speziell fördern könne.

 

Vortragsskript und Vortragsfolien zum Download

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