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Schwäbische Zeitung vom 19.10.2007

„Liebling, ab morgen bin ich zu Hause!“

TETTNANG/MECKENBEUREN - Siegbert Groß, Direktor des staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung in Meckenbeuren, ist gestern in einer feierlichen Stunde von ehemaligen Kollegen und Wegbegleitern im Neuen Schloss Tettnang festlich verabschiedet worden.

Von unserem Mitarbeiter Andy Heinrich

Karl Handschuh, Seminarschuldirektor und damit Nachfolger von Siegbert Groß am Seminar, betonte in seiner Rede, dass mit ihm ein Leit- und Vorbild in den Ruhestand gehe, wie es nur wenige gebe. „Erfahrungen in der Praxis sind elementare Voraussetzungen, damit sich die angehenden Lehrer entfalten und entwickeln können. Auch hierfür haben Sie sich immer engagiert. Sie haben ein fleißiges, ehrliches und fachlich kompetentes Team stets fair und menschlich geleitet“, sagte Karl Handschuh.

„Es gibt Menschen, die wenig reden aber viel aussagen und prägende Spuren hinterlassen“, sagte Dr. Susanne Pacher vom Regierungspräsidium Tübingen in Richtung des scheidenden Direktors. „Sie sind ein hervorragender Pädagoge und pflegten stets den Weg des ausgeprägten Dialogs. Sie hören den Menschen zu, geben ihnen Rat, pflegen und fördern den Raum für Diskussionen und Gespräche“, lobte Pacher. „Sie sind mit Ihren Kollegen und Schülern immer gemeinsame Wege gegangen.“ Siegbert Groß wurde und wird vor allem für seine offene Art, seine Dialogfähigkeit, seine Hilfsbereitschaft, Loyalität und seinen Fleiß geschätzt und geehrt. „Nun haben Sie Zeit für die Menschen, die in den letzten Jahren zu kurz gekommen sind. Genießen Sie diese Zeit, bleiben Sie gesund und meistern Sie den vor Ihnen liegenden Lebensabschnitt genauso toll und vorbildlich, wie Sie Ihr erfolgreiches Berufsleben gemeistert haben“, wünschte Pacher dem Pensionär. Unter tosendem Beifall überreichte sie Siegbert Groß offiziell die Verabschiedungsurkunde.

Nach einem musikalischem Zwischenspiel, einem passenden und lustigen „Seminar-Blues“, richteten für die Schulen Rektor Max Jung aus Meckenbeuren, für die Kirchen Schuldekan Josef Fussenegger aus Wangen sowie für die Seminare Direktor Max Ruhl aus Pforzheim einige Worte an den Protagonisten des Abends. „Sie sind nun in der Eingewöhnungsphase des Pensionärslebens – genießen Sie es“, meinte Max Jung und Josef Fussenegger ergänzte: „Sie waren uns immer ein verlässlicher Partner, es fällt uns schwer, Sie ziehen zu lassen – eine fruchtbare Zusammenarbeit geht zu Ende. Danke für alles, was Sie für uns getan haben.“

Ein Dankeschön an die Gattin

Der sichtlich gerührte Pensionär dankte den Menschen, die ihn auf seinem Lebensweg begleitet haben, aber vor allem seiner Frau, die des Öfteren einmal zu kurz kam. „Mit Menschen täglich zu tun zu haben, ist ein Geschenk, wir haben einen Beruf der glücklich macht“, sagte Groß. Das transportieren von Wissen sei etwas Wunderschönes. Aber wo viel Licht ist sei auch viel Schatten. „Ich bin nun 65 Jahre alt und habe viel Zeit für die Familie und für neue Dinge“, freute sich Groß, der im nächsten Semester das Latinum erlernen möchte. „Liebling, ab morgen bin ich zu Hause“, heißt das kleine Büchlein, das Groß seiner Frau Rita geschenkt hat.


„Sie haben prägende Spuren hinterlassen.“ Dr. Susanne Pacher vom
Regierungspräsidium übergibt Siegbert Groß die Entlassungsurkunde.
Foto: ah

 

Schwäbische Zeitung vom 19.09.2007

Letzter Mann der ersten Stunde geht

KEHLEN (wie) - Der letzte Mann der ersten Stunde am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Kehlen geht. Leiter Siegbert Groß tritt im Oktober den wohlverdienten Ruhestand an und übergibt sein Amt in die bewährten Hände von Karl Handschuh. Es sind die Menschen, die ihm am meisten fehlen werden.

„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ verlässt Siegbert Groß im Oktober das Seminar in Kehlen. Bestens vorbereitet kann Karl Handschuh sein Werk übernehmen und weiterführen, was beide in den vergangen Jahren auf den Weg gebracht haben. Lachend freut sich Siegbert Groß auf die neu gewonnene Freizeit, die es ihm erlaubt, sich mehr einzubringen in die Gemeindebücherei in Bodnegg, die er bereits betreut, und seinen eigenen neuen Bildungsplan. Der sieht Latein vor ab dem nächsten Semester – ein Schwank, den ihm sein Sohn eingebrockt hat und den er sehr gerne annimmt. Weinend geht er, weil ihm die Kontakte zu den Menschen fehlen werden, zu den Referendaren, Kollegen und den Schulen.

Aktiv wie eh und je, gestaltet sich also der Ruhestand für Siegbert Groß, der auf eine erfolgreiche Laufbahn am Seminar zurückblicken kann. „1981 wurde auch für die Grund- und Hauptschulen der Vorbereitungsdienst eingeführt“, erinnert er sich. „Da kam in einer Fünfminutenpause der Anruf: Machen Sie hier mit?“. Und der Lehrer hat spontan zugesagt. Diese Gelegenheit wollte er sich nicht entgehen lassen. In zwei Räumen im Tettnanger Schloss habe dann alles begonnen: „Wir haben in Kellern, Speichern und Räumen der Tettnanger Schulen unterrichtet, bis zum Umzug 1986 ins Dorfgemeinschaftshaus nach Kehlen. 1997 kam die Ausweitung in die Hügelstraße“.

Das stete Wachstum ging mit einer steten Weiterentwicklung einher. „Früher hat man geglaubt, dass man weiß, wie es von Aitrach bis nach Sipplingen in den Klassenzimmern zugeht. Heute wissen wir, dass dem nicht so war“, denkt Groß zurück und freut sich über die Nähe zu den Schulen heute, über eine Ausbildungsform, die auf den Bedarf zugeschnitten sei, und über die individuelle Anpassung an die Schüler.

Er ist stolz auf den theaterpädagogischen Bereich am Seminar und auf den Kontakt und den Austausch mit englischen Schulen, aber auch auf die Nachfolge durch Karl Handschuh. Damit sei gesichert, dass fortgeführt werde, was sie gemeinsam begonnen haben.

Karl Handschuh übernimmt am 1. Oktober die Schulleitung: „Wir haben ein klares Profil am Seminar geschaffen, das es gilt, weiter auszubauen“. Sein Einsatz für die Nachhaltigkeit behält Brisanz, und er ist sich bewusst, dass die zeitgemäße Ausbildung der Referendare nicht leichter werden wird angesichts der Vielfalt, die sie erwarte: „Ein didaktisches Zentrum muss Impulse weitergeben können an die Schulen und die Lehrer fit machen, dass sie bestehen können“.

Am 18. Oktober wird Siegbert Groß im Tettnanger Schloss in feierlichem Rahmen verabschiedet.

Ein Stück des Wegs sind sie gemeinsam gegangen: Karl Handschuh (links) und Siegbert Groß haben nach allgemeiner Auffassung beste Grundlagen für die Zukunft des Seminars geschaffen. Foto: Helga Wiechert

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Schwäbische Zeitung vom 10.09.2007

Jahrgang 2007 fehlt im Klassenzimmer

Von 130 Absolventen des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung in Meckenbeuren haben nur 16 beim Land eine Anstellung erhalten (Stand Mitte August). Zehn sind in andere Bundesländer gewechselt, vier haben in Österreich und der Schweiz Stellen bekommen, 14 sind in Privatschulen untergekommen. Seminarleiter Siegbert Groß tut‘s weh, wenn er sich die ungewisse Zukunft seiner Absolventen vor Augen hält. Die Referendare seien zwar schon im Frühjahr über die prekäre Situation informiert worden. „Dass es so krass wird, hat sich keiner vorstellen können“, sagt Groß. Der Jahrgang 2007 werde in den Klassenzimmern fehlen. Die jungen Leute hätten Interesse am Lehrerberuf, seien mobil und – zum Glück – voller Idealismus. Viele würden auch schlechter bezahlte Stellen annehmen, so seine Erfahrung.

In anderen Bundesländern sieht die Lage besser aus. Von einer Schulrätin aus Bonn habe er eine Mail bekommen: „Schicken Sie alle hierher.“ Von drei Absolventen wisse er, dass sie dem Ruf nach Nordrhein-Westfalen folgten. Eine Reihe sei nach Bayern gegangen, wo es aber Probleme mit der Anerkennung der Abschlusszeugnisse gebe. Die müssen dort nämlich zwei Stellen hinterm Komma haben. Die Schulbürokratie lässt grüßen. Ein Lichtblick ist für Groß die Entscheidung des Kultusministers, 216 gesperrte Lehrerstellen frei zu geben. Damit ließen sich zumindest Krankheitsvertretungen sichern.

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Schwäbische Zeitung vom 14.08.2007

Kunsterzieherin geht

Das Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Meckenbeuren hat die Bereichsleiterin für Bildende Kunst und Ästhetische Erziehung, Sibylle Hirth- Schaudt, im Rahmen einer Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet. Dabei würdigte Regierungsschuldirektor Eckehard Lauk aus Tübingen die mehr als 40-jährige Arbeit der Lehrerin und Seminarschulrätin. Besonders betont wurde ihr großes Engagement für die Kinder an insgesamt elf Schulen. Gebürtig in Colmars, erreichte Sibylle Hirth-Schaudt über Schulstationen im Schwarzwald und in Tübingen 1983 das Meckenbeurer Seminar. Unter Direktorin Gerhilde Fleischer begann sie als Ausbilderin und übernahm bald die Leitung des Fachbereichs Kunst mit dem musisch-ästhetischen Gegenstandsbereich. Seit nun 24 Jahren ist sie ununterbrochen in der Ausbildung von Lehreranwärterinnen und Lehreranwärtern und gleichzeitig als Kunsterzieherin in der Region tätig. Sibylle Hirth-Schaudt war auch langjährige Personalvertreterin und mitverantwortlich für die Gestaltung internationaler musischer Tagungen im Bodenseeraum („IMTAS“), veröffentlichte Berichte in Fachzeitschriften und verfasste ein Schulbuch. In Bodnegg finden die von ihr geschaffenen Fensterbilder Bewunderung. Der Leiter des Seminars Meckenbeuren, Direktor Siegbert Groß, würdigte Frau Hirth-Schaudt als herausragende und vorbildliche Mitarbeiterin. (sz)



Siegbert Groß verabschiedet Sibylle Hirth-Schaudt. Foto: pr

 

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Schwäbische Zeitung vom 27.07.2007 

Land will nur 15 von über 100 Lehrern

KEHLEN (wie) - 114 frisch gebackene Lehrer hat das Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Kehlen am Mittwoch verabschiedet. Das Feiern war in diesem Jahr mit Wehmut behaftet: Nur 15 von ihnen werden in den Schuldienst des Landes übernommen, 22 weitere sind in anderen Bundesländern und im Ausland untergekommen.

130 Anwärter und Anwärterinnen haben vor eineinhalb Jahren motiviert und voller Elan ihren Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Grund- und Hauptschule am Seminar in Kehlen begonnen. 114 von ihnen konnten Karl Handschuh und Siegbert Groß am Mittwochnachmittag vor dem Dorfgemeinschaftshaus zur bestandenen zweiten Staatsprüfung gratulieren. Doch so ausgelassen wie sonst war die Stimmung keineswegs. Die Referendare sind zwar an ihrem Ziel angekommen. Doch es ist ein Ziel ohne Perspektiven. Nur 15 frisch gebackene Lehrer nimmt das Land Baden-Württemberg auf, so war der Stand am Mittwoch. Ausgebildet hat das Land aber 114.

Da kommt die Frage auf, wozu? „Die Einstellungspraxis des Landes Baden-Württemberg ist so schlecht, wie seit vielen Jahren nicht mehr“, bedauerte Seminarschuldirektor Siegbert Groß, die vielen jungen enttäuschten Menschen im Blick. „Im Januar sprach das Kultusministerium noch von einer Übernahmequote von 30 Prozent. Doch in den letzten Wochen mussten wir alle feststellen, dass diese weit unterschritten wurde.“ Der Jahrgang 2007 komme ganz schlecht weg. Das gelte auch für die Schulen, wo diese jungen Lehrer fehlen werden, wie Groß deutlich machte.

Von einem denkwürdigen Spätnachmittag sprach Seminarschulrat Thomas Locher und sang mit seinem Chor von den erhofften „Good News“ in Sachen Einstellung. „Uns hat man die Arbeit genommen, bevor wir sie hatten“, klagte Elena Thaidigsmann „doch unsere Stimme, die kann uns niemand nehmen“. Ihr Lied hat alle Teilnehmer ergriffen gemacht.

Nach dem Gottesdienst am Morgen hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) über Arbeitslosigkeit informiert und welche Ansprüche die arbeitslosen Lehrer nun geltend machen können.

Viereinhalb Jahre haben sie studiert und sich in Kehlen auf den Lehrerberuf vorbereitet: 114 frisch gebackene Lehrer, wie auf unserem Bild Jenny Jäger aus Brochenzell (links). Foto: Helga Wiechert

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Wehmut schwingt bei der Feier mit

KEHLEN (sz) - 114 frisch gebackene Lehrer hat das Seminar für Didaktik und Lehrerbildung am Mittwoch in Kehlen verabschiedet. Die Feier war mit Wehmut behaftet: Nur 15 werden in den Schuldienst des Landes übernommen, 22 weitere sind in anderen Bundesländern oder im Ausland untergekommen.

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SÜDKURIER vom 07.07.2007 02:16

Friedrichshafen

Die Welt ging immer schon unter

Als Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen" 1946 in Deutschland Premiere hatte, wurde es als überwiegend lebensbejahend verstanden. Die Menschheit ist sich zwar immer wieder selbst der eigene Henker und das Leben ein ständiges Auf und Ab - aber es geht weiter, auch nach einer selbst verschuldeten Katastrophe wie dem Zweiten Weltkrieg. "Das Ende des Stücks ist noch nicht geschrieben", hieß es zuletzt, und das Publikum konnte mit einem Gemisch aus Schuldgefühl und Generalamnestie nach Hause gehen, um es künftig vielleicht sogar besser zu machen. In der sechsten Inszenierung des Seminars für Didaktik und Lehrerbildung in Meckenbeuren läuft der Hase anders. Liegt das an unserem veränderten Epochengefühl? Oder liegt es an der Umstellung der Akte, die Regisseur Jürgen Mack vornimmt? In der Bodenseeschule endet das Stück durch die Umstellung nicht hoffnungsfroh, sondern die Katastrophe dämmert erst herauf: eine Sintflut, bei der wohl jeder im Saal an den Klimawandel denkt.

Eingriffe der Regie und eine mentale Veränderung des Publikums gehen Hand in Hand, und so trifft die Aufführung einen Nerv, den eine werkgetreuere Inszenierung verfehlt hätte - nämlich die Dämmerstimmung in unseren verdunkelten Gemütern, denken wir an die globale Zukunft. Zynismus und Dekadenz, Ignoranz und Gewalttätigkeit, Egoismus und Untergangsstimmung werden von der Inszenierung deutlich herausgestellt. Freilich werden diese kollektiven Mentalitäten damit aber zugleich zu Konstanten der Menschheitsgeschichte erklärt, denn das Stück verfolgt die Geschicke einer archetypischen Familie durch sagenhafte 5000 Jahre. Die Familie Antropus (griechisch für "Mensch") verkörpert unsere Gattung, wie sie (angeblich) immer schon gewesen ist.

Mit der Besetzung hat das Meckenbeurer Seminar diesmal großes Glück gehabt: Hoch ist die Zahl der Bühnentalente, die vor einem Jahr noch absolute Schauspiel-Anfänger waren. Überdies müssen diesmal weniger Bartstoppeln in Frauengesichter geschminkt werden als es bereits der Fall war; drei Männer finden sich unter den 22 Darstellern, und so stimmt bei den Hauptrollen die Geschlechterverteilung. Sehr gut besetzt sind insbesondere Eva-Maria Wiedemann als Sabrina, die ewige Versucherin, und Robert Stein als Henry Antrobus, der ewig rebellische, egoistische Sohn mit dem Kainsmal. Roland Trusits als Familienoberhaupt wiederum besitzt eine starke Präsenz, die sich aber in der ihm auferlegten Verkörperung von Erfindergeist und dem Streben nach Allgemeinwohl nicht recht entfalten kann. Obgleich Henry Antrobus durchaus kein reiner Gutmensch ist, warten zwielichtigere Charaktere darauf, von Trusits verkörpert zu werden.

"Im Krieg wünscht man sich ein besseres Leben. Und wenn Frieden ist, einfach nur ein bequemeres", sagt Henry Antrobus an einer Stelle, und dies ist ein Leitsatz der Inszenierung, die ausführlich die Begleiterscheinungen jenes bequemen Lebens veranschaulicht. Gemeint ist ein aus Sattheit resultierender Werteverfall, der allerdings nur für eine Minderheit gilt. Hinter Absperrgittern vergnügt sich eine reiche Elite bei lasziven Spielchen; in einer dicken Limousine kurven reiche junge Leute nach dem Ende des Krieges durch zerbombte Städte und schießen in coolen Posen Erinnerungsfotos von zerlumpten Menschen, die sich dahinschleppen, die kriechen, schließlich liegen bleiben (von Pia André eindringlich choreographiert). Das Bedrückende: Diese Szene ist nicht aus der Luft gegriffen, es gibt ein reales Vorbild. Das "weltbeste Pressefoto des Jahres 2006" zeigt junge Leute auf einer solchen Fahrt durch das zerbombte Beirut.

"Was ist das Leben, abgesehen von Macht und Genuss? Langeweile!", sagt Sabrina, und dies ist das Klima, aus dem im Stück die für Friedenszeiten typische Freude an der Gewalt entsteht. Doch im Grunde ist es wurscht, ob Krieg herrscht oder nicht - destruktiv ist der Mensch ja sowieso. Zunächst ist da im Stück jener 70-jährige Krieg, durch den die Familie Antrobus geht, und mit ihr die gesamte Gesellschaft. Eine an die Nieren gehende Choreographie von Pia André bringt den Krieg als Orgie des Sadismus und der Erniedrigung auf die Bühne. Und kaum ist die Zeit des Schreckens vorüber, die Gesellschaft konsolidiert, kehrt dieselbe Gewaltorgie wieder - im Gewand des konsumierbaren Kulturguts. Als Video, das über die Leinwand flimmert und im Stück mit einem Filmpreis ausgezeichnet wird.

Wenn die Inszenierung hier zynisch wird, ist es Zynismus wie Oscar Wilde ihn definierte: Der Mensch wird betrachtet wie er ist - nicht, wie er sein sollte. Die Inszenierung schenkt reinen Wein ein, auch wenn es ein bitterer ist.

Harald Ruppert

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Schwäbische Zeitung vom 07.07.2007

Angehende Lehrer lernen viel Neues

MECKENBEUREN (ufu) - Im Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren haben im Rahmen der Ausbildung im Ergänzungsbereich die „Fachpraktischen Tage“ stattgefunden. Zehn Gruppen arbeiteten mit Kindern vor Ort an den Schulen.

Die Projektwoche des Seminars dient dazu, die Umsetzung schulrelevanter Projektthemen für die Grund- oder Hauptschule kompakt in einer Gruppe so zu planen, zu bearbeiten und praktisch umzusetzen, dass am Ende eine Fülle von Ideen, Methoden und selbst gemachten Erfahrungen steht. So soll dann auch der Schulunterricht bereichern werden. Zwei der insgesamt zehn Gruppen arbeiteten direkt vor Ort an Schulen mit Grundschulkindern zu den Themen „Mit Kindern experimentieren“ und „Alles Müll, oder was….?“.

Ansonsten wurde im und um das Seminar gebaut, gespielt, geprobt, getextet, getanzt und gesungen zu den Themen „Vom Bilderbuch zur Inszenierung“, „Konfliktmanagement in der Schule“, „Bewegungstheater“, „Beziehungen im Spiegel der Künste“, „Ein Buch machen – Geschichten erzählen mit Bildern und Texten“.

Wie immer stand am Ende der dreitägigen Projektarbeit ein großer Präsentationsnachmittag. Mit großem Engagement und noch größerer Begeisterung wurde die bunte Palette von Aufführungen, Darbietungen und Ausstellungen geboten, die riesigen Anklang fand.

 

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Schwäbische Zeitung vom 06.07.2007

Theatertage am See

Inszenierung stellt aktuelle Bezüge her

FRIEDRICHSHAFEN - Er hat das Rad erfunden und der Mensch beginnt sich zu entwickeln. Seine Geschichte wird in dem Thornton Wilder-Stück „Wir sind noch einmal davongekommen“ auf neue, sehr aktuelle Weise durch die Inszenierung von Jürgen Mack und Pia André erzählt. Gespielt wird in der Bodensee-Schule Friedrichshafen.

Von unserem Redakteur Ralf Schäfer

Mit dem Titel „The Skin of Our Teeth“ hat Thornton Wilder seinerzeit unter dem Eindruck des zweiten Weltkrieges und beeinflusst durch Brechts episches Theater ein Bühnestück geschrieben, in dem der Mensch immer wieder in der Lage ist, aufzustehen, sich aus Katastrophen und Krieg, Gewalt und Schicksal zu befreien. In drei Akten erzählt Wilder die Menschheitsgeschichte – in den Stadien Eiszeit, Vergnügungsgesellschaft und Krieg.

Jürgen Mack, Regisseur dieses Stückes, hat nun zusammen mit dem theaterpädagogischen Ausbildungskurs des Fördervereins „Theatertage am See“ und dem Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (GHS) Meckenbeuren eine Inszenierung auf die Bühne gebracht, die allein durch die Verdrehung des zweiten und dritten Aktes eine enorme Aktualität und gleichsam eine zeitgemäße Aussage oder Interpretationsmöglichkeit erhält. Gezeigt wird heute sowie Samstag und Sonntag jeweils um 20 Uhr auf der Bühne der Bodensee-Schule Friedrichshafen, Zeisigweg 1, höchst sehenswertes Theater. Mack verbindet in Zusammenarbeit mit der Choreographin Pia André das klassische Sprechtheater mit tänzerischen Elementen, setzt bühnenfremde Medien ein und erreicht durch die hochwertige Darstellung ein Theaterstück, das an keiner Stelle Längen oder Irreales, Fiktion oder Überflüssiges enthält.

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Schwäbische Zeitung vom 23.06.2007

Stellenkürzungen

Junge Lehrer haben schlechte Karten

STUTTGART /WEINGARTEN - 5200 fertig ausgebildete Lehrer stehen im Südwesten ab Juli auf der Straße. Damit geht etwa jeder dritte Bewerber leer aus. An Grund- und Hauptschulen bekommt nur etwa jeder Zehnte einen Job.

Von unserer Redakteurin Kerstin Conz

Sandra Strack kann stolz auf sich sein. Mit einem Schnitt von 1,1 hat sie das Zweite Staatsexamen als Grund- und Hauptschullehrerin in der Tasche. „Ich dachte eigentlich, dass das reicht“, sagt die 25-Jährige. Doch weil es im nächsten Schuljahr im Kreis Ravensburg keine einzige Stelle gibt, geht die Referendarin leer aus. Den meisten ihrer Bekannten geht es ähnlich. Nach fünf Jahren Ausbildung wüssten viele jetzt nicht, was sie tun sollen. „Mit dem Studium kann man ja nur Lehrer werden,“ sagt Sandra Strack.

Nach Informationen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind die Einstellungs-Chancen so schlecht wie lange nicht. Nur 36 Prozent der Bewerber erhalten eine Stelle, an den Grund- und Hauptschulen werden nur 13, an den Realschulen 16 Prozent genommen. An den Gymnasien hat immerhin jeder Zweite Glück.

„An unseren Telefonen laufen wütende Lehrer Sturm. Sie sind enttäuscht von der Landesregierung, die jahrelang mit guten Einstellungs-Chancen geworben hat und jetzt durch Stellensperren gut qualifizierte Pädagogen auf die Straße schickt“, sagt der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem. An den Schulämtern machen sich die Kürzungen bereits bemerkbar. Im Kreis Tuttlingen sind die Schulen aufgefordert, nach „kreativen Lösungen“ zu suchen, heißt es im Landratsamt. Lehrer müssen damit rechnen, auch an anderen Schulen einzuspringen.

Referendare sind frustriert

Frust herrscht auch am Staatlichen Seminar für Grund- und Hauptschullehrer Meckenbeuren. Von den 110 Referendaren hat kaum einer einen Job. „Wir sind fassungslos“, sagt Seminardirektor Siegbert Groß. Mit so einem Einbruch habe keiner gerechnet. Eine Referendarin habe ihre Ausbildung bereits abgebrochen und sei nach Nordrhein-Westfalen gegangen. Andere versuchen es in der Schweiz. Aber auch dort gibt es weniger Stellen. Die schlechten Nachrichten machen auch an der Pädagogischen Hochschule Weingarten die Runde. Prorektor Martin Oswald fürchtet, dass die Zahl der Studienanfänger einbricht. „Dann haben wir niemanden, wenn der Bedarf wieder steigt.“ An der PH sind derzeit 2500 Lehramtsstudenten eingeschrieben. Um die Berufsaussichten der künftigen Studenten zu verbessern, müsste das PH-Studium dringend auf einen Master-Abschluss umgestellt werden, sagt Oswald. Die GEW fordert KultusministerRau (CDU) auf, sich für die Aufhebung der Stellensperre einzusetzen.

Die Referendarin Sandra Strack will sich darauf nicht verlassen. Die 25-Jährige hat sich bereits in Bayern beworben. „So wie es aussieht, nehmen die mich auch.“

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Schwäbische Zeitung vom 21.05.2007 

Seminar setzt Farbpunkte

MECKENBEUREN (sz) - Neben den bereits seit mehreren Jahren durchgeführten adventlichen Verkaufsaktionen für einen guten Zweck (im letzten Jahr ging der Reinerlös an die „Indien - Kinderhilfe“), gibt es in diesem Jahr erstmalig eine Frühjahrsaktion am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Grund- und Hauptschule) Meckenbeuren.

Die auch zur Weihnachtszeit tätigen Fachleiter Martina Plümacher (Ideen) und Frieder Guggolz (handwerkliche Ausführungen), beide aus dem Fachbereich Mathematik, haben zusammen mit der Ausbildungsgruppe „Bildende Kunst“ unter der Leitung von Sibylle Hirth-Schaudt passend zum Muttertag farbige Holzblumen zum Selbstkostenpreis von 8 Euro das Stück zum Verkauf angeboten. Die attraktiven „Haus- und Gartenverschönerer“ gingen in der kurzen Verkaufszeit im Anschluss an die Ausbildungsveranstaltungen weg „wie die warmen Semmeln“. Der Reinerlös von immerhin 120 Euro kam dieses Mal dem Förderverein des Seminars zu Gute. Der Förderverein mit dem mitgliederfreundlichen Jahresbeitrag von 12 Euro unterstützt unter anderem die Finanzierung von Referentenhonoraren, die überregional angebotenen Veranstaltungen der Lernwerkstatt und Sonderanschaffungen, die das Seminarleben bereichern.

Mit ihren außerdienstlich geleisteten Sonderaktionen wollen die Initiatoren neben dem guten Zweck auch einen Beitrag zur Bereicherung des „Lern- und Lebensraumes Seminar“ bieten. Neben der Weihnachtsaktion sind in diesem Jahr noch weitere Aktionen geplant, man darf also gespannt sein: Fortsetzung folgt.

Sonderaktion mit bunten Holzblumen in Meckenbeuren. Foto: pr

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Schwäbische Zeitung vom 31.03.2007 

Ausstellung am Staatlichen Schulseminar

Meckenbeuren gedeiht ohne Hauptstraße

MECKENBEUREN (wie) - „So stelle ich mir meinen Wohnort vor, wenn ich erwachsen bin“ – zu diesem Thema hat die Internationale BNE-Bodensee die Schulkinder aufgerufen. Das Staatliche Seminar hat am Freitag in Kehlen die Exponate der Kinder ausgestellt, die bald auf der „inatura“ Dornbirn und in Kreuzlingen und Rorschach zu sehen sind.

Auf Initiative der AG Nachhaltigkeit formierte sich 2006 die Internationale Arbeitsgruppe BNE-Bodensee, der die Pädagogischen Hochschulen Rorschach, Kreuzlingen und Nordwestschweiz ebenso angehören wie die Pädagogische Akademie Feldkirch und das Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Meckenbeuren. Erstes Ziel war es, in einem internationalen Wettbewerb für Schulklassen, die Kinder dafür zu gewinnen, sich intensiv mit zukunftsfähigen Entwicklungen vor Ort in ihren Gemeinden zu befassen.

Wie die Gedankenwelt der Kinder dazu aussieht, wie sie sich ihre Zukunft und Heimat vorstellen, das haben sie in Wort und Bild und Projekten zusammen gefasst. Im Seminar in Kehlen waren die Exponate am Freitag zu besichtigen. Teilweise bevölkerten bis zu fünf Schulklassen die Räume und zeigten sich begeistert. In Buchenstämmchen gerahmt waren Bilder und Dokumentationen aus der Schweiz, wo die ganze Klasse sich einen Baumlehrpfad erbaute: „Beim Forschen und Dokumentieren habe ich für mein Leben gelernt, dass es spannend ist“.

Gemüse wächst in Aulendorf

Lukas Schiele von der Hauptschule Aulendorf erklärte den Besuchern das „neue Aulendorf“ in 20 Jahren. Da war ein solarbetriebenes Gewächshaus, damit Autofahrer nicht bis Italien fahren müssen, um Gemüse zu kaufen und ein Windrad, das für Bewässerung sorgt, ohne die Umwelt zu belasten.

Die Fünfer der hiesigen Theodor-Heuss-Schule haben mannshohe bunte Pläne erstellt, die in fünf oder zehn Jahresschritten aufzeigten, was geschehe, nehme man die Hauptstraße aus der Gemeinde, die laut ihrer Umfrage am störendsten in Meckenbeuren sei. Nach fünf Jahre wachsen schon Geschäfte auf grünen Wiesen, nach zehn Jahren sind Häuser und gut besuchte Spielplätze dabei, und nach 20 Jahren ist alles schön und bunt. Es fliegen Autos im Solarbetrieb durch Meckenbeuren, es gibt ein Museum, ein Hallen- und ein Freibad. Das, so stellte sich später heraus, waren die Wünsche sehr vieler Kinder.

Die Albrecht-Dürer-Schule befasst sich im zweiten Jahr mit Nachhaltigkeit, und viele Exponate gaben Zeugnis von dem, was sie erarbeitet hat. Da waren Guckkästen mit sauberen Wäldern, mit friedlich grasenden Tieren, Solarautos und anderen tollen Geschichten. „Du bist auch ein Erdenkind, ein richtig steiler Zahn, kümmere Dich um Deine Welt, sonst ist die Welt vertan“ – sogar einen Nachhaltigkeits-Rap hatten Rektorin Sybille Handschuh und ihre Schüler zu bieten. „Kinder können auch was tun für schöne Aussichten“, war nicht nur die Feststellung von Seminarschulleiter Karl Handschuh, sondern auch ein dickes Lob. Mit auf den Nachhauseweg gab er den Kindern ein Päckchen voller Samen, das sie daran erinnern soll, dass nur Wachsen kann, was man auch sät.

In Scharen strömen die Schüler aus ganz Meckenbeuren und hören sich genau an, was die Teilnehmer zu berichten wissen, wie hier Lukas Schill von der Hauptschule Aulendorf. Foto: Wiechert

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Schwäbische Zeitung vom 02.02.2007 

Lehrer: Perspektive ist nicht rosig

MECKENBEUREN (sz) - In der Festhalle in Kehlen haben gestern 130 Lehreranwärter (darunter nur 13 Männer) ihren Eid abgelegt. Für sie beginnt damit nach dem Studium der praktische Teil ihrer Ausbildung am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren. Die Motivation der jungen Leute ist ungebrochen, auch wenn ihre berufliche Zukunft ungewiss ist. 110 der Anwärter haben sich den Schwerpunkt Grundschule gesetzt, 20 die Hauptschule.

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