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Schwäbische zeitung vom 01.12.2012

Bewusstsein muss sich global wandeln

Ausstellung „Same, same, but different“ will interkulturelle Bildung in der Schule fördern

Von Karl Gälle

Meckenbeuren - „Same, same, but different“ – schon im Titel der Ausstellung im Meckenbeurer Seminar für Didaktik und Lehrerausbildung verbirgt sich, was das Projekt der Fachdidaktik „Bildende Kunst“ im Kern leisten soll. Es geht darum, die interkulturelle Erziehung und Bildung in der Schule zu fördern und wo nötig in Gang zu bringen.

Angelika Bitzigeio, Lehrbeauftragte des Fachbereiches Bildende Kunst, hat zur Vernissage am Donnerstag etliche Lehreranwärter und Gäste auch im Namen von Direktor Karl Handschuh willkommen geheißen. Die interkulturelle Bildung und Erziehung bezeichnete sie als eines der wichtigen Themen der nächsten Jahre. Die Ausstellung könne dazu beitragen, interkulturelle Aspekte in die Schulen zu tragen und sich mit dem Thema konstruktiv auseinanderzusetzen. Die ausgestellten Schülerarbeiten wurden unter Anleitung der Lehreranwärter in den Schulen Baienfurt, Meersburg, Altshausen, Aulendorf und Kressbronn gefertigt. Anhand von Fakten und Ereignissen zeigte Angelika Bitzigeio dann eindrucksvoll auf, dass Deutschland in der globalisierten Welt einerseits Exportnation, andererseits, so umstritten der Begriff auch sei, als Einwanderungsland einzustufen ist.

Entsprechend würden Probleme, beispielsweise immer wieder aufkeimender Rechtsradikalismus und Fremdenhass, auch in die Schulen getragen. Grundsätzliche Bedeutung komme bei deren Bewältigung der Stiftung Weltethos zu, wo der Dialog der Kulturen wie die kulturübergreifende Erziehung Bestandteil einer „Vision eines globalen Bewusstseinswandels“ seien. Dort angesiedelte Prinzipien wie die der Menschlichkeit, Gewaltlosigkeit plus Gleichberechtigung in die Klassenzimmer zu bringen, sei mit Sinn und Zweck der Projektarbeit im Bereich Bildende Kunst gewesen. Da passte denn auch sehr gut die Spendenübergabe von 1299,52 Euro an Lehreranwärter Felix Härter, der ehrenamtlicher Vorstand des Vereins ProViKuBu ist.

Das Kürzel steht für „Projekt Villa Kunterbunt“, mit dem ein indonesisches Kinderheim unterstützt wird, das verarmten Kindern neben dem „einfach Kind sein dürfen“ auch einen Schulbesuch ermöglicht. Die Spende selbst stammt von einem Sponsorenlauf, den der Fachbereich „Mensch-Natur-Kultur“ unter Leitung von Susanne Eckelmann organisiert hatte.

Vernissage 2012
Lehrbeauftragte Angelika Bitzigeio (Vierte von links) erläutert den Besuchern
die Schülerarbeiten zum Projektthema „Same, same, but different“.
Foto: Karl Gälle


Die Ausstellung „Same, same, but different“ ist bis zum 20. Dezember im Hauptgebäude des Meckenbeurer Seminars für Didaktik und Lehrerausbildung in der Hügelstraße 25/1 zu sehen.

 

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Schwäbische Zeitung vom 03.11.2012

Meckenbeurer basteln mit an Modellregion

Schulamt und Schulseminar arbeiten am Projekt „Vielfalt gefällt – und das gemeinsam!“

Von Roland Weiß

Meckenbeuren - Wie Friedrichshafen und Ravensburg steuert auch die Schussengemeinde ein Projekt für das landesweite Programm „Vielfalt gefällt - 60 Orte der Integration“ bei. „Vielfalt gefällt – und das gemeinsam!“ ist das Vorhaben überschrieben, das das Schulamt Markdorf eingereicht hat und das vom Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (GWHS) Meckenbeuren koordiniert wird – als Projektträger.

Seit Ende Oktober sind die teilnehmenden Projekte bekannt, die in den nächsten drei Jahren mit insgesamt 3,5 Millionen Euro gefördert werden. „Integration lebt vom Engagement vor Ort. Der starke Netzwerkgedanke hinter dem Projekt des Schulamtes Markdorf verdeutlicht, dass Integration nur gemeinsam erreicht werden kann“, betont Landtagsabgeordneter Manfred Lucha (Grüne) in einer Pressemitteilung.

Koordiniert wird das Projekt vom Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Meckenbeuren. Mithilfe des bereits aufgebauten Netzwerkes soll eine Modellregion installiert werden, die beispielhaft für andere Schulämter und Regionen zeigen soll, wie Wege zu interkultureller Kompetenz und Integrationsarbeit bzw. deren Qualifizierungsmöglichkeiten erfolgreich vor Ort installiert werden können. Beispielsweise soll ein jährlicher Bildungskongress allen Teilnehmern die Gelegenheit zum Austausch geben und Raum für aktuelle schulpolitische Themen wie Gemeinschaftsschule und Inklusion eröffnen. Lucha begrüßt die Förderentscheidung zugunsten des Projektes: „Familien und Schulen erfahren Rückhalt im Austausch und werden so nachhaltig gestärkt.“



In Friedrichshafen ist ein Projekt der Caritas mit dem Titel „Guten Tag – Merhaba – Dobar dan: Stadtteilmütter im Sozialraum bauen Brücken in Bildung, Beruf und Erziehung“ ausgewählt worden. Das Vorhaben knüpft an zwei existente Projekte an – das „Rucksackprojekt im Kindergarten“ und „Mach dich stark für dein Kind“. Letzteres ist ein offenes Familienbildungsangebot der Caritas in Kooperation mit den Kindergärten in der Region.

In Ravensburg geht es um „Geschichte gemeinsam (er)fahren“: Bei dem Projekt der Stadt Ravensburg fahren Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gemeinsam an Orte, die für die Geschichte Baden-Württembergs und Deutschlands von Bedeutung sind. Die Eindrücke dieser Tagesfahrten werden der Öffentlichkeit durch Fotoausstellungen zugänglich gemacht.

3,5 Millionen Euro (verteilt auf 60 Projekte) ist das Programm von Baden-Württemberg Stiftung und Integrationsministerium schwer. Schulamt und Schulseminar Meckenbeuren stehen für eines der Vorhaben. Foto: pr

„Integration lebt vom Engagement vor Ort“
gratuliert Landtagsabgeordneter Manfred Lucha dem Meckenbeurer/Markdorfer Projekt zur Aufnahme in das landesweite Programm
Vorgestellt wird das Projekt unter http://www.vielfaltgefaellt.de/

 

3,5 Millionen Euro (verteilt auf drei Jaher und 60 Projekte) ist das
gemeinsame Programm von Baden-Württemberg Stiftung und
dem Integrationsministerium schwer. Schulamt Markdorf und
Schulseminar Meckenbeuren stehen für eines der 60 Vorhaben.
(Foto: pr)

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Schwäbische Zeitung vom 25.07.2012

Nicht alles, was anders ist, ist besser – aber alles, was besser ist, ist anders

121 junge Lehrerinnen und Lehrer vom Seminar in Kehlen erhalten ihere Zeugnisse und stehen in den Startlöchern

Kehlen (wie) - „18 Monate Vorbereitungsdienst und wenigstens sechs Semester liegen hinter ihnen.“ So hat Direktor Karl Handschuh am Montagnachmittag in Kehlens Festhalle zurückgeschaut und den jungen Männern und Frauen ihre Zeugnisse überreicht und sie verabschiedet, in eine Welt „die sich verändert hat“.

„Allein in dieser zweiten Phase ihrer Ausbildung verursachte die furchtbare Flutwelle in Japan eine Atomkatastrophe. Menschliche und technische Unzulänglichkeiten und Überheblichkeiten wurden aufgedeckt“, erinnerte Handschuh wie auch an die Mordserie der Neonazi-Gruppe im eigenen Land, an Staatsbankrotte, Bankenkrisen und Schuldenbremsen. „Was lernen wir daraus?“ war seine große Frage an die jungen Lehrer, und er machte die Möglichkeiten und Tragweite deutlich, die dieser Beruf mit sich bringt: „Alles hat auch mit uns zu tun, gerade weil wir Lehrerinnen und Lehrer sind und weil wir mit unserer Arbeit – ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht – die Welt mitgestalten.“

Damit gab er wiederum Seminarschulrätin Martina Plümacher recht, die diese jungen Menschen zu Beginn dieser Ausbildung am Seminar auf Schatzsuche schickte. „Diesen Schatz erhalten sie heute –ihr Zeugnis“, sprach sie zum Abschied und war selbst ein letztes Mal hier dabei.

Alle nahmen stolz das Papier entgegen, das ihnen den Weg ebnet an die Schulen. Gut die Hälfte, so schätzte Plümacher, hat schon eine Anstellung gefunden. Eine Umfrage in den kommenden beiden Jahren soll dem Seminar Rückmeldung und genaue Zahlen dazu geben.

Auszeichnung für Johannes Fuchs

Auch das Forum von Kurs 31, einem der größten am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung, verabschiedete sich am Montag und versprach im Namen aller: „Wir wollen nie vergessen, warum wir Lehrer geworden sind und warum wir diesen Weg gewählt haben.“ Und musikalisch klang das so: „Du bist da, um etwas zu verändern, die Welt zu sehen und zu verstehen. Nutze Deine Chance.“ Musikalisch war natürlich Thomas Locher mit von der Partie, der mit dem „traditionsträchtigen Seminarchor“, das Leben am Seminar beleuchtete. Sie verwandelten das Brahm’sche „Drunten im Tale“ kurzerhand in „Dort im Seminare“ und schauten zurück auf ihre gemeinsame Zeit des Lernens. Ein Lernen, das diese jungen Lehrer und Lehrerinnen an den Grund-, Haupt- und Werkrealschulen zu ihrer Lebensaufgabe machen wollen. Zu ihnen gehört auch Johannes Fuchs, den Handschuh unter großem Applaus auszeichnete für ganz besonderen Einsatz in dieser Ausbildungszeit.

„Optimismus ist Pflicht. Man muss sich auf die Dinge konzentrieren, die gemacht werden sollen und für die man verantwortlich ist“, zitierte Handschuh Philosoph Karl Popper und gab allen herzliche Wünsche mit auf den Weg. „Bleiben sie gesund und entwickeln sie eine gesunde und realistische Einstellung zu ihrem Beruf. Haben sie keinen engen Blick auf die Bildung, sie muss mehr sein als Berufsvorbereitung. Verlieren sie kein Kind aus den Augen, seien sie veränderungsbereit! Nicht alles, was anders ist, ist besser. Aber alles, was besser ist, ist anders.“


„Optimismus ist Pflicht“, so hat es Seminarschuldirektor Karl Handschuh
bei der Zeugnisübergabe an die Adresse der 121 jungen Lehrerinnen
und Lehrer formuliert, die Kurs 31 abschlossen.
Foto: helga wiechert

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Südkurier vom 24.07.2012

Neue Pädagogen braucht das Land


121 Lehramtsanwärter sind bei einer Feierstunde verabschiedet worden. Über die Hälfte der Absolventen hat eine Stelle.

Nicht nur Tausende Schüler im Ländle erhalten in diesen Tagen ihre Zeugnisse. Auch 121 Lehramtsanwärter des Ausbildungskurses 31 am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Meckenbeuren bekamen gestern ihre Abschlusszeugnisse überreicht. Ein letztes Mal wurden die angehenden Junglehrer beurteilt und benotet, bevor sie selbst demnächst Zensuren und Zeugnisse verteilen. Bei einer kurzweiligen Abschlussfeier in der Festhalle Kehlen überreichten Seminardirektor Karl Handschuh und seine Stellvertreterin Martina Plümacher den 121 Pädagogen das begehrte Papier.

„Vor 18 Monaten habe ich sie im Kulturschuppen mit den Worten ‚Sie gehen jetzt auf Schatzsuche‘ begrüßt. Heute sind sie am Ende dieser Schatzsuche. Sie bekommen heute ihren Schatz in Form des Zeugnisses“, gratulierte Martina Plümacher den jungen Lehrern. Für Plümacher selbst war die Verabschiedung des Ausbildungskurses die letzte offizielle Amtshandlung am Seminar für Didaktik. Sie wird in Zukunft als Schulrätin am Schulamt in Markdorf für die Belange von Grundschulen zuständig sein. „Ich weiß, wie sie sich fühlen. Auch ich nehme heute Abschied vom Seminar“, sagte sie daher zu den angehenden Grund-, Werkreal- und Hauptschullehrern. Zwischen den einzelnen Reden sorgte immer wieder der Seminarchor unter der Leitung von Thomas Locher für Unterhaltung. Vor allem die auf das Leben eines Referendars zugeschnittenen Liedtexte kamen beim Publikum gut an. So wurde „Dort drunten im Tale“ von Johannes Brahms kurzerhand umgedichtet in „Dort beim Seminare“.

„Nicht mal Samstag noch Sonntag hab ich wirklich frei“, tönte es dann zur Melodie des alten Brahmschen Volksliedes. Mindestens sechs Semester Studium und 18 Monate Vorbereitungskurs haben die Lehramtsanwärter absolviert, berichtete Seminardirektor Karl Handschuh. „Nun sind Lehrer und haben endlich den Beruf und damit das Ziel erreicht, von dem sie einmal geträumt haben. Ich wünsche Ihnen, dass sie auch noch in vielen Jahren sagen können, all die Mühe habe sich gelohnt“, meinte Direktor Handschuh und betonte, wie dringend neue Lehrer in der Gesellschaft gebraucht werden. Gleichzeitig sprach er sich vehement gegen weitere staatliche Kürzungen im Bildungsbereich aus. „An der Bildung zu sparen, hieße, an dem Ast zu sägen, auf dem wir wirklich sitzen und von dessen Gedeih unsere Zukunft abhängt“, machte Handschuh deutlich.

Trotz der vom Kultusministerium angekündigten Stellenstreichung bei Lehrern haben mehr als die Hälfte der Meckenbeurer Absolventen bereits eine Stelle gefunden. Genaue Zahlen lägen aber noch nicht vor, wie Martina Plümacher erklärte, die noch auf das Ergebnis einer internen Umfrage am Seminar wartet. Die Einsatzorte reichen dabei vom hohen Norden (Hamburg) bis in die Nachbarländer Schweiz und Österreich.


Aus den Händen von Seminarschuldirektor Karl Handschuh (links) und seiner Stellvertreterin Martina Plümacher
(hinten rechts neben ihm) erhielten die Junglehrer ihre Zeugnisse.

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Südkurier vom 11.07.2012

Jeder Hengst kriegt seine Stute

Zwischen Beischlaf und Backpfeifen: Der Theaterpädagogische Ausbildungskurs spielt Shakespeares „Sommernachtstraum“

„Alles wendet sich ins Gute – jeder Hengst kriegt seine Stute.“ Aber bis es so weit ist in Shakespeares „Sommernachtstraum“, gibt es zur Freude des Publikums Turbulenzen zu überstehen, die der 11. Theaterpädagogische Ausbildungskurs am Seminar Meckenbeuren pointierter, feiner und zugleich lebenspraller kaum auf die Bühne bringen könnte.

Die Inszenierung von Jürgen Mack und Nicole Pengler über die Irrungen und Wirrungen der Liebe, um Schabernack treibende Trolle und Elfen fasst Shakespeares Komödie nicht mit Spitzenhandschuhen an, nur weil das Etikett „Klassiker“ darauf klebt. Es gibt Beischlaf und Backpfeifen, es gibt Liebespaare, die nicht nur zarte Worte säuseln, sondern sich auch eine Keilerei liefern, die gleich über mehrere Runden geht. Vom Schaukampf unterscheidet sich die Wut dieses vollen Körpereinsatzes nur durch die Beredtheit der Kontrahenten. Was sie einander an den Kopf werfen, übersteigt die klassische Schlegel-Übersetzung, springt hinüber zur neueren Fassung von Jürgen Gosch. Nicht als „bunte Bohnenstange“ beschimpft Hermia (Mascha Kahl) die Helena (Judith Wolff), sondern als „bemalten Maibaum“; die Folge ist einer von vielen bebenden Lachern dieses Abends, für die zuvorderst Herbert Kessler sorgt: ihn, der den großspurigen Handwerker Zettel verkörpert, verwandelt Puck, der Troll, verdienterweise in einen Esel. Kessler, ein Erzkomödiant, wuchert als Langohr nun aber erst recht mit den Pfunden seiner Rolle und trägt breit die Bauernschläue auf, die für die Beschränktheit typisch ist.

Die Inszenierung bricht mit der Vorhersehbarkeit, baut Überraschungseffekte ein – vor allem musikalische, erarbeitet von Bartosz Nowakowski. Lysander (Lorenz Macher) rappt, Demetrius (Konrad Krämer) rockt und die Elfen singen ihre Königin Titania (Beatrix Lux) in den Schlaf, als wäre es ein Schamanenritual von Patti Smith. So viel Inbrunst wird durch eine ironisch eingebaute Dean-Martin-Schulze wieder ausgeglichen: „Everybody loves somebody sometime“, säuselt Demetrius, kaum dass die Wechselbäder der Liebe mit den damit verbundenen Hahnen- und Hennenkämpfen vorüber sind. Kein Wunder, dass die Elfen so viel Schmalz mit einem sarkastischen Trötenorchester garnieren.

Von vorn bis hinten freut man sich über die innere Freiheit, in der die Inszenierung mit dem reichlich vorgeprägten Stoff jongliert, ohne den roten Faden zu verlieren oder in zweckfreie Dollerei abzugleiten. Aus der Not macht der Ausbildungskurs eine Tugend: Es gibt zu viele Schauspielerinnen und zu wenige Rollen? Dann wird Puck, der dienstbare Troll von Oberon (sehr charismatisch: Robert Bagehorn), eben gleich fünffach besetzt. Wie Schlangen auf dem Haupt der Medusa verschlingen sich seine Darstellerinnen ineinander. Abstrus verknoten sie ihre Leiber, lösen sich wieder voneinander und finden in anderer Formation und starken Bildern erneut zusammen.

Obwohl das Bühnenbild sehr opulent ist, erdrückt es nicht die Spontaneität: Die Akteure verhalten sich wie im Stegreiftheater und erzielen mit simplen Requisiten starke Lacheffekte. Da wird der Meterstab der Handwerker flugs zum Grabkreuz umgebogen, und das Signallicht auf ihrem Lieferwagen fungiert als Mondschein. Fällt hierbei noch der Satz „Schein oder nicht Schein, das ist hier die Frage“, dann wird der hohe Theaterbetrieb, den Shakespeare durch das Spiel der Handwerker zur Farce entgleiten lässt, noch weiter ironisiert. Das macht Sinn, denn Shakespeare wurde ja selbst zur Ikone der Hochkultur stilisiert, über die er hier seine Witze macht. Ihn von diesem Sockel zu stoßen, ist ganz in seinem Sinne.

Zwei Stunden lang gelingt Theater, bei dem das Publikum hellwach bei der Sache bleibt und bei dem es auch nicht die Ohren spitzen muss, um die Schauspieler akustisch zu verstehen. Wie heißt es doch gegen Ende der Sommernachtskomödie treffend? „Gut gebrüllt, Löwe!“

Auf der Bühne von Kultur am Gleis 1 in Meckenbeuren wird gerappt und gerockt,
gesungen, geliebt und gehasst. Der 11. Theaterpädagogische Ausbildungskurs
macht Shakespeares Komödie zu einem vielseitigen und fesselnden Erlebnis.
Bild: Ruppert

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Schwäbische Zeitung vom 10.07.2012

Sommernachtstraum aus Rock und Poesie

Theaterpädagogischer Ausbildungskurs begeistert das Meckenbeurer Publikum

Von Helmut Voith

Meckenbeuren – Meister Peter Squenz hat vor dem „Rock- und POMP-Konzert“ und einer möglichen Massenpanik gewarnt, und schon erwartet den Star der Band ohrenbetäubendes Girlie-Gekreische in höchsten Tönen, Kuscheltiere und BHs fliegen auf die Bühne. Gerade noch ist er der Kultstar und legt mit seiner Band ein fetziges „All you need is love“ hin. Doch kein anderer als Theseus ist’s, der Herzog von Athen, der mit Hippolyta Hochzeit feiert, und nahtlos geht das Spiel in Shakespeares Komödie vom „Sommernachtstraum“ über.

Mit einem ähnlich fulminanten, publikumswirksamen Auftritt wird sich das Ensemble des 11. Theaterpädagogischen Ausbildungskurses nach zweieinhalb Stunden verabschieden. Theaterwirksam ist diese Inszenierung von Jürgen Mack und Nicole Pengler und ganz im Sinne Shakespeares. Dessen unsubventioniertes Theater musste einst um die Gunst des Publikums buhlen, die Inszenierung des Ausbildungskurses überträgt dies gekonnt in die heutige Zeit und setzt dazu alle Mittel des Theaters ein: Zündende Musik und Songs (Bartosz Nowakowski), eine mitreißende Choreografie mit Tanz bis hin zur Akrobatik (Pia und Fé André), atmosphärische Kostüme und Masken (Vera Niederprüm) sowie Lichtstimmungen auf einer Bühne im Kulturschuppen, die beide Welten – die Band und den Zauberwald – gekonnt vereint.

Stoff, der die Fantasie beflügelt

Mag sein, dass manche Formulierung der klassischen Schlegel-Tieckschen Übersetzung noch etwas gestelzt wirkt, doch hört man gerne darüber hinweg, gibt es doch pralles, sinnenfrohes Theater.

Gab es zu Shakespeares Zeiten nur Männer auf der Bühne, überwiegen hier – wie in den vergangenen Jahren – die Frauen, doch die zentralen Männerrollen können adäquat besetzt werden, und so nimmt das Geschehen um die genarrten Liebenden seinen Lauf.

Im Wald treffen Lysander und Hermia auf den ungeliebten Demetrius, den Hermia heiraten soll, und auf Helena, die sich vergeblich um den Verschmähten müht. Puck, der flinke, boshafte Schelm, „puckt“ hier gleich in fünffacher Gestalt – köstlich, wie das putzmuntere Quintett übereinander oder aus allen Ecken die Liebenden narrt und eine Menge Verwirrung anstiftet. Da werden Weiber zu Hyänen, möchte man Schiller zitieren, wenn die beiden Mädchen aufeinander losgehen und von ihren Begleitern, die ihrerseits fighten, nicht mehr zu bändigen sind.

Mitten hinein geraten die Handwerker mit ihrem Oldtimer-Dreiradkarren, der als stinkender Gag auf die Bühne fährt. Das Publikum genießt den Auftritt der rechtschaffenen und Leute bei der eifrigen Probe, wie bei ihrem verqueren Spiel im Spiel. Lacher erntet auch die „Liebesszene“ der von Oberon verhexten Titania und dem in einen Esel verwandelten Zettel, daneben gibt es sehr poetische Szenen mit den tanzenden, singenden Elfen. Viel Stoff, der die Fantasie beflügelt.

Die von Jürgen Mack und seinem Laien-Ensemble erarbeitete Fassung kann sich im Reigen der oft gespielten „Sommernachtsträume“ bestens sehen lassen, eine gelungene Umsetzung Shakespeares für unsere Zeit.


Der Streit im Elfenreich - links Titania (Beatrix Lux), rechts Oberon
(Robert Bagehorn) und seine fünf Pucks - greift auch in das Leben
der Sterblichen ein.
Foto: Helmut Voith

Weitere Aufführungen am 10., 12., 13., 14., 15. Juli, je 20 Uhr.
Vorverkauf und Reservierung unter Telefon 07542/4711.

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Südkuier vom 05.07.2012

Die Liebe ist ein seltsames Spiel

Morgen Premiere: Der 11. theaterpädagogische Ausbildungskurs spielt „EinSommernachtstraum“

„Wo ist die Schachtel mit den BHs und der Unterwäsche? Wir brauchen sie. Jetzt!“ Dessous-Alarm bei Shakespeares Sommernachtstraum? Na, dann kann sich das Auge ja mal so richtig sattsehen. Das kann es in dieser opulenten Inszenierung tatsächlich – aber Schlüpfrigkeiten bringt der 11. theaterpädagogische Ausbildungskurs am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Meckenbeuren dennoch nicht auf die Bretter des Kulturschuppens am Gleis 1. „All you need is love!“ schmettern die kunterbunt gekleideten Schauspieler zur Musik der Liveband, zücken die besagten BHs – und werfen sie von der Bühne.

Liebe ist also alles, was du brauchst? Die Beatles hatten ja keine Ahnung vom Reigen der verwirrten Gefühle, die Shakespeare im „Sommernachtstraum“ entfesselt! Hochkomisch und nicht weniger dramatisch dreht sich das Liebeskarussell: Da verliebt sich etwa Titania, die Königin der Elfen, in einen großspurigen Esel. Wenn dann noch die allseits begehrte Hermia von ihrem Geliebten Lysander grundlos verstoßen wird und die bislang ungeliebte Helena plötzlich mit zwei Männern dasteht, die sie anbeten, ist das Chaos perfekt. Daran hat nicht mal der Elfenkönig Oberon mehr Freude, bei dem der ganze böse Liebeszauber seinem Ausgang nahm.

Schon bei den Proben ist klar, dass das Publikum bei der Premiere am morgigen Freitag eine Inszenierung erleben wird, in der die Turbulenzen so satt ausgeführt werden wie das Bühnenbild. Dieser „Sommernachtstraum“ unter der Regie von Jürgen Mack und Nicole Pengler ist auch dank sehr guter Darsteller nicht einfach nur eine Komödie, als die sie ausgewiesen ist. Es geht an die Nieren, wenn die eben noch selig turtelnde Hermia plötzlich jeden Halt verliert, weil in die Himmelsmacht der Liebe Oberon und seine Trolle sich eingeschlichen haben.

Im Dickicht des von Gerd Stritzel (Immenstaad) entworfenen Märchenwalds kann man sich so verlieren wie im Geflecht der Gefühle. Hier wird ein Bühnenraum wirklich zum Leben erweckt: Oberon und sein Gefolge sitzen im Geäst, und wenn der Elfenkönig sich auf die Erde niederlässt, springt er herab wie Batman, um sich dann wie Nosferatu in seinen Umhang zu schlagen.

Die Inszenierung entfaltet eine zauberhafte Märchenhaftigkeit, verliert sich aber nicht im Blumigen. Dafür sorgt auch das musikalische Konzept, das von Bartosz Nowakowski und Natalia Tomska gemeinsam mit dem Ensemble erarbeitet wurde. Man weiß nicht, wie zu Shakespeares Zeiten die Lieder klangen, die er in sein Stück einbaute, aber in Meckenbeuren werden Shakespeares Liedtexte ins Heute geholt – mit Schlagzeug, Bass, Geigen, Flöten und einem teils gellenden Gesang, der im Elfenreich das Getier verscheucht, das die Nachtruhe Titanias stören könnte: „Bunte Schlangen, zweigezüngt, Igel, Molche, fort von hier! Dass ihr euren Gift nicht bringt in der Königin Revier“.

Ebenso eng verzahnt mit dem Geschehen sind die Choreographien von Pia und Fé André. Da werden nicht einfach lose Tanzszenen präsentiert, sondern Tanz wird Teil der Handlung: Wie mythenhaftes Urgetier tänzerisch ineinander verknäult, betritt etwa Oberons Gefolge die Bühne und wird so durch den Tanz zugleich charakterisiert. Wo den Turbulenzen ein so durchdachter Masterplan zugrunde liegt, ist die Empfehlung eindeutig: hingehen!

Das Elfenreich ist zweigeteilt: Titanias farbenprächtiger Staat hat mit Oberons Gefolge (rechts) nichts zu schaffen.  
Bild: Ruppert


Hier sind Hermia und Lysander noch traut vereint. Aber bald wird er Helena lieben und Elfenkönigin Titania
(ganz links) einem Esel den Hof machen.
Bild: Ruppert


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Schwäbische Zeitung vom 04.07.2012

Bandleader Theseus steht am Schlagzeug

„Sommernachtstraum“ des theaterpädagogischen Kurses hat am Freitag Premiere

Von Helmut Voith

Meckenbeuren – Shakespeares „Sommernachtstraum“ – schon wieder? Wenn er als Ganzes mit so viel Pep daherkommt wie die Produktion des elften theaterpädagogischen Ausbildungskurses, dann muss man einfach hin. Nein, keine gegenwartsnahe Sprache, die sich mit Direktheit anbiedert, sondern die klassische Schlegel-Tiecksche Übersetzung. Aber in was für einer Umsetzung!

Eine Augenweide bietet im Kulturschuppen schon das Bühnenbild, ein verwunschener Wald, in dem es von farbenfrohen Elfen und erdigen Pucks geradezu wimmelt. Von Pucks? Ja, hier hat er sich verfünffacht, ist überall und nirgends. Ist er noch der drollige Tollpatsch, der seine Opfer zwar gehörig piesackt, den man aber doch recht sympathisch findet? Die Schwäbische hat bei der Probe nur Ausschnitte gesehen, manches sollte sie auch übersehen, damit die Spannung bis zur Premiere bleibt. Versprochen ist versprochen.

Intensiver als bei reinen Laienspielern wird hier im Seminarkurs das Stück hinterfragt und analysiert, auf seine Bezüge zur heutigen Gegenwart abgeklopft. Das kann ungemein spannend werden. Besonders, wenn die ganze Gruppe – sechs Männer und 26 Frauen – so mit Leidenschaft bei der Sache ist.

Da ist die Sache mit den mythologischen Figuren Theseus und Hippolyta: „Wer lebt heute in diesem Dazwischen - zwischen Realität einerseits und wird andererseits gleichzeitig und zu Lebzeiten zum Mythos?“, fragen Jürgen Mack und Nicole Pengler im Programmheft. Ihre Antwort: Medien-, Sport- und Popstars. So wird aus Shakespeares Athenern die kultige Popband „POMP“, und aus den Handwerkern werden ihre Roadies, die passende Musik und Songs dazu inklusive, dafür hat wieder Bartosz Nowakowski und sein Team gesorgt. Alles kommt live, alles aus den eigenen Reihen: „Everybody loves somebody...“

Jürgen Mack und Nicole Pengler wirken dabei cool, sie haben das Wagnis einer intensiven Inszenierung schon oft erlebt. Und jedes Mal ist es anders. Beim kurzen Gespräch das Blitzen in den Augen, die Begeisterung. Erst seit wenigen Tagen sind die Spieler im Gleis 1, überall wird noch eingerichtet, manches improvisiert. Viel Musik ist dabei, eine zündende, packende Musik zur ebenso lebendigen Choreografie, die wieder Pia und Fé André zusammen mit den Spielern erarbeitet haben.

Wahrscheinlich kommt diese Inszenierung, so sehr sie für unsere Zeit gemacht ist, Shakespeare sehr nahe. Damals gab es keinerlei Subventionen, das Theater musste sich selbst tragen, sonst war es weg von der Bühne. Und länger als zwei Stunden durfte auch nicht gespielt werden, sonst waren Strafzahlungen fällig. In diesem Zeitraum ist die Bühne voll pulsierenden Lebens, auch ungeschminkt wirken die Personen schon spannend. Jetzt kann man nur noch auf den Feinschliff gespannt sein.


Elfen wuseln im Zauberwald: Die Proben zum „Sommernachtstraum“
des theaterpädagogischen Ausbildungskurses laufen auf Hochtouren.
Foto: H. Voith

Premiere am Freitag, 6. Juli, 20 Uhr. Aufführungen: 7., 8., 10., 12., 13., 14.
und 15. Juli, je 20 Uhr.
Info: www.theatertageamsee.de und www.seminar-meckenbeuren.de.

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Schwäbische Zeitung vom 15.06.2012

Shakespeare trifft Blues Brothers

Theaterpädagogischer Kurs lockt mit außergewöhnlicher Theatermusik und hochinteressantem Spiel

Von Helga Wiechert

Kehlen - Elf mal ausverkauft, das ist das Ergebnis aus dem vergangenen Jahr und der Beweis: die jungen Referendare am Seminar in Kehlen wissen leidenschaftlich zu begeistern, verstehen ihr Handwerk und machen Kunst. 2012 laden sie zu Shakespeares Sommernachtstraum ein, dem Stück der Weltliteratur, das wie kein anderes Stück die Fäden knüpft zwischen allen Facetten der Liebe.
Da ist Theseus, der die Königin der Amazonen zur Frau nimmt, die sich voller Liebe nun dem männlichen Geschlecht zuwendet. Da ist die junge Liebe, die erzwungen werden soll, wider jeglicher Gefühle, und da sind die Elfen, die im Liebesrausch sich Weltlichen hingeben und sich darüber bitter streiten, mit Blitz und Donner und Hagelschlag. Und da ist der Puck, der Schelm, der überall ist, der sich liebevoll den Menschen widmet und dennoch niemals so richtig zu fassen ist.
In die Welt der Mythen, Träume und Verwirrungen der Liebe verführen die Schützlinge von Jürgen Mack, der zusammen mit Nicole Pengler Regie führt und behauptet: „So eine starke Truppe hatten wir noch nie zusammen. Sie sind schauspielerisch und sprachlich so gut und musikalisch kaum zu fassen.“ Und es wäre nicht der Theaterpädagogische Kurs des Seminars in Kehlen, wenn er einfach Shakespeare so hinnehme, wie er es im Buche schrieb. Sie fragten sich: „Wie sieht es denn heute damit aus, wenn die vermeintlich falsche Liebe nicht mehr ins Kloster führt oder in den Tod und es noch immer die Zwangsheirat gibt?“
Die Antwort darauf ist ein beeindruckender Mix aus Musik, aus Tanz und Schauspiel und eine gelungene Komposition, die Fantasien anregt und das Denken. Dann etwa, wenn die fünf Tänzerinnen zum Puck verschmelzen, wenn ihre Körper eins werden im Tanz oder vergnügt die Bühne erobern – und die Menschen. Oder aber der Chor, der „Everybody Needs Somebody“ singt und damit Shakespeare und die Blues Brothers verbindet, die Mythen von einst und von heute. „Wir haben den Anspruch, Kunst machen zu wollen“, sagt Jürgen Mack und hat sich professionelle Unterstützung geholt: die Choreographinnen Pia und Fé André aus Freiburg, die den Tänzerinnen zu ungeahnter Beweglichkeit und Fantasie verhelfen, und den polnischen Theaterregisseur Bartosz Nowakowski und seine Theatermusiker, die mit ganz außergewöhnlicher Theatermusik Spiel und Musik in besonderer Weise vereinen. Was dabei herauskam, wird die Gäste begeistern – ein Shakespeare der Moderne, der sich der Liebe annimmt, ob sie nun gut ist oder schlecht, perfekt in Szene gesetzt und mit ganz großer Leidenschaft gespielt.
Die jungen Referendarinnen setzen ihn perfekt in Szene, den „Midsummer Night’s Dream“ von William Shakespeare. Foto: wie
Diese besondere Interpretation der ursprünglichen Übersetzung von August Schlegel hat am 6. Juli Premiere im Kulturschuppen am Gleis 1. Karten für die Vorstellungen am 7., 8., 10., 12., 13., 14. Und 15. Juli gibt es im Vorverkauf bei Schreibwaren Gresser und wenige auch an der Abendkasse. Beginn ist immer um 20 Uhr.


Foto: wie
Diese besondere Interpretation der ursprünglichen Übersetzung von
August Schlegel hat am 6. Juli Premiere im Kulturschuppen am Gleis 1.
Karten für die Vorstellungen am 7., 8., 10., 12., 13., 14. Und 15. Juli gibt
es im Vorverkauf bei Schreibwaren Gresser und wenige auch an der
Abendkasse. Beginn ist immer um 20 Uhr.

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Südkurier vom 02.02.2012

Vereidigung von 112 Lehramtsanwärtern 

Bei Feierstunde im Kulturschuppen werden 17 Männer und 95 Frauen vereidigt – Dreiviertel wollen an der Grundschule


Mit der Vereidigung begann gestern im Kulturschuppen am Gleis 1 für 112 Anwärter der Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Grund-, Werkreal- und Hauptschulen.
Schwier „Das Schicksal mischt die Karten, aber Sie spielen das Spiel!“ – Mit diesem Zitat begrüßte gestern Martina Plümacher, Seminarschuldirektorin an Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Meckenbeuren, 112 Lehramtsanwärter im Kulturschuppen am Gleis 1. Dorthin waren die angehenden Lehrer für Grund-, Werkreal- und Hauptschulen gekommen, um in einer kleinen Feierstunde vereidigt und damit offiziell in den Vorbereitungsdienst übernommen zu werden. Neben Mecken- beurens Bürgermeister Andreas Schmid und Regierungsschuldirektor Eckehart Lauk aus Tübingen hießen auch Gesamtelternbeiratsvertreter Sönke Bartels und Fritz Erb, Vorsitzender des Örtlichen Personalrats beim Schulamt Markdorf, die jungen Pädagogen willkommen.

Bevor jedoch der Reigen an Grußworten, in denen immer wieder auf die elementar wichtige, kulturstiftende Bedeutung von Schule hingewiesen wurde, einsetzte, kamen die Lehramtsanwärter erstmal mit ihrer künftigen Klientel in Kontakt. Schüler der Klasse 3a der Albrecht- Dürer Grundschule beeindruckten die zahlreichen Zuschauer im Saal mit ihren stimmlichen Fähigkeiten und ernteten vor allem für ihren „Nachhaltigkeits- Rap“ stürmischen Applaus. Unter den 112 Anwärtern, die nun ihre 18-monatige Ausbildung in Meckenbeuren beginnen, sind nur 17 Männer. Wie in den Jahren zuvor, haben sich wieder drei Viertel der Bewerber, für den Schwerpunkt Grundschule entschieden.

Eine positive Grundeinstellung, Offenheit gegenüber allem Neuen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und vor allem eine starke Persönlichkeit seien das Grundrüstzeug für einen erfolgreichen Lehrer, erklärte Karl Handschuh, Direktor des Staatlichen Seminars, bevor er die Lehranwärter schließlich vereidigte. „Ihr Erfolg wird sich einzig am Erfolg der Kinder messen. Ziele können sich im Laufe des Lebens ändern, aber auf die innere Haltung kommt es an. Hier sind ehrliche Begeisterung und Leidenschaft gefordert, “ gab Direktor Karl Handschuh allen mit auf den Weg.

Vereidigung K32

Mit der Vereidigung begann gestern im Kulturschuppen am Gleis 1 für 112 Anwärter
der Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Grund-, Werkreal- und Hauptschulen.

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Schwäbische Zeitung vom 02.02.2012

Der Erfolg der Lehrer misst sich an den Kindern

Vereidigung von 112 Lehreranwärtern im Kulturschuppen – Staatliches Schulseminar knackt die 3000er-Marke

Meckenbeuren (wie) - Vertreter des Schulamts, Regierungspräsidiums, der Gemeinde und das Seminar für Didaktik und Lehrerbildung haben 112 Junglehrer am Donnerstagmorgen im Kulturschuppen willkommen geheißen und ihnen den Eid abgenommen, sich nach bestem Wissen und Gewissen für die Schulbildung der Kinder einzusetzen. Optimismus und die Bildung einer Lehrerpersönlichkeit sind neben der schulischen Qualifikation wichtige Faktoren zum Erfolg. Dann kommen vielleicht solch interessierte und engagierte Schüler heraus, wie im Chor der Albrecht-Dürer-Grundschule von Margarethe Baumann, die von Jana Rixner erklären ließ: „Jeder von uns ist anders, und davon erzählen wir euch“. Das haben sie getan und damit Regierungsschuldirektor Eckhart Lauk aus der Seele gesprochen, der für einen Paradigmenwechsel eintrat: „Nicht der Inhalt des Unterrichts steht im Mittelpunkt, sondern jedes einzelne Kind. Darauf müssen sich die Lehrer einstellen. Sie müssen offen sein im Denken und im Handeln.“ Die Gemeinschaftsschule hat er damit angesprochen, die alle Teile des Schulsystems vereint und auch die Schüler mit Behinderung nicht vergisst.

Auch Bürgermeister Schmid begrüßte Seminarschuldirektorin Martina Plümacher „in der einzigen Gemeinde, die per Bus, Zug, Flugzeug und Schiff zu erreichen ist“. Er zeigte sich stolz auf die Bildungsgemeinde Meckenbeuren, die schulisch breit aufgestellt sei. „Schauen Sie darauf, dass sie kein Kind hinter sich lassen“, war sein Wunsch an die jungen Menschen, die ihren zweiten Bildungsabschnitt am Seminar und an den Schulen beginnen. Schmid versicherte: „Bildung bleibt Nr. 1 in Meckenbeuren“, darin seien sich Verwaltung und Gemeinderat einig. Mut machte auch der Gesamtelternbeiratsvorsitzende Sönke Bartels und stellte verschmitzt fest: „200 000 Kinder im Regierungsbezirk – puh – sind das viele Eltern!“ Ihre Unterstützung bot er an und forderte auf, sich aktiv mit ihnen auseinanderzusetzen.

Vorsitzender Fritz Erb vom Personalrat dankte herzlich allen Schulen im Einzugsbereich und ihren Mentoren und Mentorinnen, dass sie es ermöglicht haben, dass alle Lehreranwärter einen Platz gefunden haben. Das ist kein Pappenstiel, steigt damit doch die Zahl der Lehreranwärter, die sich an 170 Schulen im Bodenseekreis und im Landkreis Ravensburg in der Ausbildung befinden.

Nicht zuletzt waren es wieder die Vorgänger vom Kurs 31 und die Musikgruppe, die ihre Nachfolger herzlich willkommen hießen und theatralisch perfekt das Lernen auf die Schippe nahmen und empfahlen: „Das ist Deine Ausbildung. Nimm sie selbst in die Hand und versuche was zu verändern“. Da blieben für Seminarschulleiter Karl Handschuh noch die Dankesworte, die Fakten und Zahlen und sein persönlicher Rat: „Werden Sie eine starke Persönlichkeit, das erwarten die Kinder. Ihr Erfolg misst sich am Erfolg der Kinder.“

17 Männer sind im neuen Kurs unter den 112 Lehreranwärtern. Drei Viertel haben sich für die Grundschule entschieden. Alle Fächer und Fächerverbünde sind vertreten. Mit diesem Kurs sind nun insgesamt 3065 junge Lehrer am Seminar ausgebildet worden oder werden es noch. Mit Zusatzqualifikationen von Theater über Erlebnispädagogik, Nachhaltigkeit, Musik oder Auslandsaufenthalten sind die Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung groß.

Vereidigung K32

112 Lehreranwärter heben die Hand zum Schwur. „Sie haben die Königsdisziplin
der Berufe gewählt“, so Eckhart Lauk, „die Kunst der Vermittlung“. Foto: Helga Wiechert

 

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