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Bildung für nachhaltige Entwicklung im Schulcurriculum

Die Grundschule hat folgende Aufgaben:
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Sie weckt die sittliche, religiöse und freiheitlich-demokratische Gesinnung, auf der das Zusammenleben gründet. Sie übt Verhaltensweisen und Umgangsformen ein, die für das Miteinanderleben - auch in der Schule -  wichtig sind.
Sie befähigt die Kinder, aufeinander zu hören und    voneinander zu lernen, und hält Jungen und Mädchen zu einem partnerschaftlichen Verhalten an.
Sie erzieht zu sozialer Bewährung und zum selbstverständlichen Umgang mit Menschen unter-   schiedlicher sozialer und kultureller Herkunft sowie zum Zusammenleben mit Menschen mit Behinderungen.
Sie fördert das Bewusstsein für elementare, technische, wirtschaftliche und ökologische Zusammenhänge und erzieht zur Verantwortung gegenüber der Natur...

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Im Schulcurriculum, das ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen Bildungsplanreform ist, sollen und müssen inhaltliche Vorgaben der Bildungsstandards schulspezifisch vertieft und erweitert werden. Dahinter steht eine Führungsphilosophie, wonach im Rahmen der vorgegebenen Ziele die Wege je nach Möglichkeiten und Voraussetzungen durchaus verschieden sein können.

Eine elementare Voraussetzung für die sinnvolle Gestaltung eines Schulcurriculums ist aber das grundsätzliche Verständnis des Bildungsplans und der ihn tragenden Bildungsstandards. Dieser verfolgt im Sinne eines stetig aufbauenden Spiralcurriculums mehrere Prinzipien und Themen. Eines davon ist die Bildung für nachhaltige Entwicklung, wenngleich dies begrifflich in vielerlei Variationen im Bildungsplan erscheint (Grundschule und Hauptschule, jeweils S. 18 „Zentrale Themen und Aufgaben der Schule“: „... Umwelterziehung und Nachhaltigkeit, ...“; Hauptschule Fächerverbund Welt-Zeit-Gesellschaft, S. 134: „... Dieses soll den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, sich zu orientieren, um nachhaltige Handlungsperspektiven auszubilden. Auf dieser Grundlage entwickeln sie eigene Werthaltungen ...  Kompetenzen: Ein übergeordnetes Ziel des Unterrichts im Fächerverbund Welt-Zeit-Gesellschaft ist, bei den Schülerinnen und Schülern ein Verständnis für die zunehmende Bedeutung des Prinzips der nachhaltigen Entwicklung in ökonomischen, ökologischen und sozialen Fragen anzubahnen.“). Die hier genannten Beispiele ließen sich über Schulstufen, Fächer und Fächerverbünde hinweg weiter fortführen.

Das Schulcurriculum bietet der Schule die Chance, von einzelnen Themen, einzelnen Inhalten zu einem maßgeschneiderten Schulkonzept zu kommen. Dazu sind bei der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung weniger neue Themenfelder nötig als vielmehr die Umdeutung bekannter Themen und Handlungsfelder im Sinne eines Konzepts, das die Vernetztheit der wichtigen Fragen und Zukunftsprobleme nicht ignoriert, sondern mittels geeigneter Methoden und Verfahren in einem ganzheitlichen Unterricht aufgreift. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist weit mehr als nur „klassische“ Umwelterziehung – sie umfasst ganz bewusst ökonomische Bildung auf dem Hintergrund eines auf Ausgleich und Gerechtigkeit abzielenden Handelns ebenso wie soziale Fragen im Nahraum (bspw. auch Gesundheitserziehung) und Fragen globaler Entwicklungen. Wer sich mit „Nachhaltigkeit“ intensiv beschäftigt, erkennt dass sehr viele Inhalte und Bildungsstandards zukunftsorientiertes Lernen ermöglichen und fordern. Schüler werden dann nicht mehr nur mit Inhalten konfrontiert, sondern über die Vermittlung der unmittelbaren Bedeutsamkeit  werden Vernetzungen aufgezeigt und über Einsicht letztlich Lernmotivation gestärkt.



 

„In den Schulen werden die Menschheitserfahrungen und die in ihnen erworbenen Maßstäbe für das „gute Leben“ weitergegeben – an den Schulen werden zugleich die Instrumente für eine noch unbestimmte Zukunft bereitgestellt. Es geht in ihnen immer um eine Balance zwischen Verantwortung und Unvoreinge-nommenheit, von Bewahrung und Bewährung. Hier sieht die Landesregierung Anlässe zu maßvollen, aber deutlichen Veränderungen der Gegenstände, Verfahren und Gewohnheiten der Schule.“ 

Hartmut von Hentig: Einführung in den neuen Bildungsplan 2004, S.7



Die Schule, die das Themenfeld „Nachhaltigkeit“ aktiv angeht, trifft in der Regel auf interessierte und zum Engagement bereite Eltern ebenso wie auf eine in vielen Fällen gute Infrastruktur von Unterstützungssystemen in der unmittelbaren Umgebung. Allerorts, zumindest aber bei den Städten, Verbänden und bei den Landratsämtern, finden sich engagierte und qualifizierte AGENDA-Beauftragte, die Lernorte erschließen und als Experten Unterricht bereichern können. Schulen, die das Konzept einer Bildung für nachhaltige Entwicklung verfolgen, werden aber auch selbst Lernräume schaffen: Schulgärten, Schulpatenschaften, Gestaltung des Nahraums, Verant wortung für schwächere, ältere und benachteilige Menschen, Aufbau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie usf.. Die Autoren der neuen Bildungspläne haben erkannt, dass dies im herkömmlichen isolierten Unterricht nicht zu leisten ist: Teamarbeit in der Lehrerschaft, projekt- und erfahrungsorientierte Lehr- und Lernformen über Fachgrenzen hinweg sind die notwendige Ergänzung, die Lehrerinnen und Lehrer durchaus auch entlasten können. Hierbei kommt es darauf an, dass Schulen sich nicht nur auf bloße Wissensvermittlung beschränken, die sich im Sinne der Wirksamkeit als sehr wenig nachhaltig erweist, sondern ganz bewusst die Kernaufgabe von Bildung und Erziehung aufgreifen, indem Werte reflektiert und Handlungsmöglichkeiten aufgegriffen werden.

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist also nichts, was man „eben auch noch macht“, sondern sie fordert Kolleginnen und Kollegen, die informiert, motiviert und engagiert als Vorbild wirken können. Dies setzt gemeinsame (durchaus auch schulinterne) Schulungen, Diskussionen und Erlebnisse voraus, die auch zu gemeinsamen Planungen führen. Einige dieser Planungsfelder sind in der nachfolgenden Übersicht angedeutet (Beim Ausdruck erscheinen Linien klar und vollständig), können und müssen aber eine schulspezifische Ausgestaltung erfahren.

Das Seminar Meckenbeuren greift die Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Ausbildung aktiv auf und unterstützt durch Vernetzung von Initiativen, durch Informationsseiten, durch Anregungen für den Unterricht wie den Schülerwettbewerb, durch Vorträge und die Moderation von päd. Tagen die Schulen im Bereich des SSA Tettnang bzw. in den künftigen Schulämtern Ravensburg und Bodenseekreis und ist seinerseits für Anregungen und Rückmeldungen dankbar.

Karl Handschuh, SSD



 

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